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Auf Enthüllungsplattform publiziert

US-Präsident Donald Trump hat bereits mehrfach angekündigt, hart gegen Whistleblower vorzugehen. Nun ließen die US-Behörden den Worten Taten folgen. Am Samstag wurde eine 25-jährige Frau wegen der Weitergabe vertraulicher Informationen festgenommen. Sie soll ein NSA-Dokument an die Enthüllungsplattform Intercept weitergegeben haben.

Laut Justizministerium wurde Reality Leigh Winner bereits am 3. Juni vom FBI festgenommen. Öffentlich machte das Ministerium die Verhaftung erst am Montag - nur eine Stunde nachdem Intercept einen langen Bericht über mutmaßliche russische Cyberangriffe vor der US-Wahl im November publiziert hatte. Die Enthüllungsplattform bezog sich darin auf ebenjenen Geheimdienstbericht, den Winner angeblich weitergegeben hatte.

Angriff auf Softwarefirma für Wahlmaschinen

Laut dem NSA-Dokument führte Russlands Militärgeheimdienst GRU im August einen Cyberangriff auf eine Firma durch, die Software für Wahlmaschinen entwickelt. Ein weiterer Angriff habe wenige Tage vor der Wahl stattgefunden - in diesem Fall seien 122 Wahlhelfer das Ziel gewesen.

Bis kurz vor der Wahl habe der russische Geheimdienst wiederholt versucht, mittels Cyberspionage an Informationen über die bei der Wahl eingesetzte Hard- und Software zu gelangen, heißt es in dem NSA-Dokument. Dazu seien unter anderem Phishing-E-Mails versendet worden, um Schadsoftware zu platzieren. Außerdem hätten die Angreifer versucht, Log-in-Daten zu stehlen.

Zwar hält der NSA-Bericht fest, es sei unklar, ob und wie erfolgreich die Cyberattacken waren. Brisant ist das geleakte Dokument aber allemal. Vor allem der Angriff auf die Softwarefirma lässt vermuten, dass die russischen Manipulationsversuche noch weitreichender waren als bisher angenommen - auch wenn Russland alle Vorwürfe am Dienstag entschieden zurückwies. „Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wirklichkeit“, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. Es gebe keinerlei Belege für die Anschuldigungen.

Justizministerium kündigt hartes Vorgehen an

Von US-Seite wurde der Bericht bisher nicht dementiert. Aber für das US-Justizministerium ist klar: Die Informationen hätten nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. „Die Veröffentlichung von geheimem Material ohne Autorisierung gefährdet die Sicherheit unserer Nation und untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung“, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein.

„Menschen, denen geheime Informationen anvertraut werden und die versprochen haben, diese zu beschützen, müssen verantwortlich gemacht werden, wenn sie gegen diese Verpflichtung verstoßen“, so Rosenstein. Auf dem Dokument selbst ist festgehalten, dass es erst im Mai 2042 freigegeben werden sollte.

Scan von Ausdruck

Vonseiten Intercepts hieß es nach der Festnahme, dass das Dokument der Enthüllungsplattform anonym zugespielt worden sei. Das Medium habe „keine Kenntnis über die Identität der Quelle“, sagte Intercept-Sprecherin Vivian Siu. Womöglich waren es aber Journalisten der Plattform, welche die Behörden auf die Spur Winners brachten.

Seite für Snowden-Dokumente

The Intercept ist eine Website, die unter anderen vom Journalisten Glenn Greenwald betrieben wird. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die durch den NSA-Whistleblower Edward Snowden geleakten Dokumente weiter aufzuarbeiten.

In einer der Anklageschrift angehängten FBI-Erklärung ist laut „New York Times“ („NYT“) davon die Rede, dass sich Journalisten im Zuge ihrer Recherche an die NSA gewandt und dabei auch das entsprechende Dokument zur Verfügung gestellt hätten. Eine Analyse habe dann ergeben, dass es sich um den Scan eines Ausdrucks handle.

Das NSA-interne Überwachungssystem habe gezeigt, dass insgesamt sechs Personen den Bericht ausgedruckt hätten - darunter auch Winner. Auf ihrem Rechner hätten sich dann Beweise gefunden, dass sie mit dem entsprechenden Medienunternehmen E-Mail-Kontakt gehabt habe, so der FBI-Bericht. Laut dem FBI arbeitete Winner für Pluribus International. Das Unternehmen ist auch im Auftrag der NSA tätig.

Druck auf Trump erhöht

Winners Mutter Billie Winner-Davis sagte gegenüber dem britischen „Guardian“, dass ihre Tochter zuvor als Übersetzerin für die Air Force gearbeitet habe. Sie soll Persisch und Paschtunisch gesprochen haben. „Ich hätte nicht gedacht, dass das etwas ist, was sie tun würde“, so Winner-Davis über ihre Tochter. „Sie hat mich wissen lassen, dass sie kein Fan von Trump ist. Aber sie ist nicht jemand, der hingeht und einen Aufstand macht.“

Auf Trump erhöht der geleakte Bericht jedenfalls den Druck. Der US-Präsident steht wegen möglicher Kontakte seines Wahlkampfteams nach Moskau seit Monaten unter Druck. Am Donnerstag soll der von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey vor dem US-Kongress aussagen. Mehrere Ausschüsse des Kongresses untersuchen die Affäre derzeit. Und sie versuchen auch zu klären, ob Russland im Wahlkampf 2016 mit Hackerangriffen zugunsten Trumps Einfluss nahm. Der NSA-Bericht, dessen Echtheit bisher von keiner Seite angezweifelt wurde, ist hierfür womöglich ein weiteres Puzzlestück.

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