EU-Landwirtschaft fürchtet starke Einbußen durch „Brexit“

Die europäische Landwirtschaftsbranche fürchtet im Zuge des „Brexit“ um ihren Exportmarkt Großbritannien. Obst und Gemüse, Rindfleisch, Milch und Wein könnten durch den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU besonders stark betroffen sein, wie aus einem Bericht der größten Interessenvertretung Copa-Cogeca hervorgeht.

Die Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien sollen ab dem 19. Juni beginnen. Am Donnerstag finden in Großbritannien zunächst vorgezogene Parlamentswahlen statt.

Wegfall von Exportmarkt drückt Preise

Insgesamt belaufen sich die Ausfuhren von Agrarnahrungsmitteln auf 45 Mrd. Euro jährlich. Besonders Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und die Niederlande blicken besorgt auf die künftigen, noch offenen Handelsbeziehungen. Auch Irland exportiert mehr als ein Drittel seiner Agrarlebensmittel und mehr als die Hälfte seines Rindfleischs nach Großbritannien.

Österreich liefert nicht allzu nennenswerte Mengen an agrarischen Gütern nach Großbritannien. Trotzdem steigt der Absatz- und Preisdruck innerhalb der EU, wenn insgesamt weniger Waren aus der Union nach Großbritannien geliefert werden, erwarten Fachleute.

Schwierige Verhandlungen erwartet

Die Landwirtschaft gilt als eines der schwierigsten Verhandlungskapitel beim bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Drohung von Premierministerin Theresa May, notfalls einen „harten Brexit“ ohne vertragliche Regelungen zu riskieren, schreckte die Branche zusätzlich auf. Wegen der dann fällig werdenden Zölle würden die Preise stark steigen.

Noch stärker dürfte sich aber der Wegfall der britischen Beiträge zur Gemeinsamen Agrarpolitik (CAP) auswirken. Mit dem Instrument wird die Branche seit Jahrzehnten subventioniert. Durch den Austritt Großbritanniens würden Berechnungen der Vertretung zufolge aber drei Milliarden Euro des Budgets wegfallen.