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Kriegsrecht über ganze Region verhängt

Die philippinische Armee wird beim Kampf gegen islamistische Aufständische in der umkämpften Stadt Marawi nun auch von US-Spezialkräften unterstützt. Die USA hätten auf Bitten der philippinischen Regierung Spezialkräfte nach Marawi entsandt, um das philippinische Militär im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen, teilte die US-Botschaft in Manila am Samstag mit.

Medienberichten zufolge kreisten am Freitag bereits US-Aufklärungsflugzeug über Marawi. Der philippinische Armeesprecher Oberst Jo-Ar Herrera sagte, die US-Militärs nähmen nicht an den Gefechten teil: „Ihre Beteiligung ist auf den Austausch von Geheimdienstinformationen beschränkt.“

U.S. P3 Orion

Reuters/Romeo Ranoco

Über Marawi wurden US-Aufklärungsflugzeuge gesichtet

Seit 23. Mai umkämpfte Stadt

In der 200.000-Einwohner-Stadt Marawi auf der südlichen Insel Mindanao liefern sich Islamisten, die sich zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekennen, seit Wochen heftige Gefechte mit philippinischen Regierungstruppen. Obwohl das Militär mit Bodentruppen und Luftangriffen gegen die Aufständischen vorgeht, kontrollieren diese immer noch zehn Prozent des Stadtgebiets. Von der Eskalation betroffen ist die gesamte Region: Präsident Rodrigo Duterte hat über die gesamte Insel das Kriegsrecht verhängt.

Soldaten in Marawi

Reuters

Philippinische Einsatzkräfte im Marawi-Einsatz

Die Kämpfe hatten am 23. Mai begonnen, als Regierungstruppen versuchten, einen Anführer der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf festzunehmen. Der Versuch misslang. Die Rebellen holten sich Verstärkung von außerhalb hinzu. Nach Regierungsangaben sind darunter auch ausländische Dschihadisten.

Am Freitag wurden bei heftigen Kämpfen mindestens 13 Soldaten getötet. 40 weitere wurden in dem 14-stündigen Gefecht verwundet, wie Armeesprecher Oberst Edgard Arevalo am Samstag mitteilte. Die Zahl der getöteten Regierungssoldaten stieg damit auf 58. Seit Beginn der Kämpfe vor zweieinhalb Wochen wurden nach Militärangaben zudem mindestens 138 Islamisten und 20 Zivilisten getötet.

„Das Ende ist nah“

Der Militärkommandant der Region auf der Insel Mindanao, Generalmajor Carlito Gavez, äußerte sich am Donnerstag aber zuversichtlich, die Lage bald unter Kontrolle zu bringen. Seinen Angaben zufolge befinden sich noch rund 200 islamistische Kämpfer in der verwaisten Stadt. Fast die gesamte Bevölkerung ist seit Beginn der Kämpfe geflohen.

ISIS-Gebiet in Marawi

Reuters/Erik De Castro

Der Großteil der Bevölkerung ist seit Ausbruch der Kämpfe aus der Stadt geflohen

Gavez zufolge ist es der Armee inzwischen gelungen, die Nachschubwege der Rebellen abzuschneiden. Auch eines ihrer wichtigsten Verstecke sei eingenommen worden. „Das Ende ist nah“, sagte der Generalmajor. Zugleich gab er zu, dass sich noch „mehr oder weniger 100 Geiseln“ in der Gewalt der Rebellen befinden.

Karte zeigt Marawi auf den Philippinen

Grafik: Map Resources/ORF.at

Seit Jahrzehnten andauernder Konflikt

Auf den Philippinen kämpfen muslimische Aufständische seit vier Jahrzehnten gegen die Regierung des mehrheitlich katholischen Landes. Mehr als 120.000 Menschen wurden bei diesen Konflikten getötet. In der Region Mindanao, die aus der gleichnamigen großen Insel und weiteren kleineren Inseln besteht, verüben Mitglieder islamistischer Gruppen in ihrem Kampf für Unabhängigkeit oder Autonomie immer wieder Anschläge oder Überfälle.

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