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Umzug als logistische Herausforderung

In den an sich fertigen und bereits übergebenen Ersatzquartieren auf dem Heldenplatz und im Bibliothekshof der Hofburg herrscht derzeit noch die Ruhe vor dem Sturm. Am 23. Juni geht die Übersiedlung des Parlaments mit der ersten von neun Tranchen aber richtig los.

Der Umzug des Parlaments für drei Jahre in die Ausweichquartiere des Wiener „Demokratiequartiers“ ist nach Angaben der Parlamentskommunikation nicht nur ein außergewöhnliches Ereignis, sondern auch eine enorme logistische Herausforderung. Bis 15. August wird der parlamentarische Betrieb dann von Möbelpackern dominiert. Geht alles nach Plan, sollen bis dahin auch die Arbeiten im Großen Redoutensaal abgeschlossen sein, in dem dann sowohl der National- als auch der Bundesrat rund drei Jahre tagen wird.

Wien-Karte zeigt die Ausweichquartiere während der Parlamentsumbauphase

Grafik: ORF.at; Quelle: Parlament/PGSG/Matthias Cl. Weinlich

Neben der Hofburg und dem Heldenplatz finden sich auch weitere Ausweichquartiere im Wiener „Demokratiequartier“

„Privates wird nicht übersiedelt“

Auch wenn die Übersiedlung hauptsächlich in der am 3. Juli beginnenden parlamentarischen Sommerpause erfolgt, ist den Parlamentsangaben zufolge „selbstverständlich gewährleistet“, dass das Parlament seinen verfassungsmäßigen Aufgaben und Verpflichtungen jederzeit nachkommen kann. Das gilt auch für Sondersitzungen, die über den Sommer noch im alten Parlamentsgebäude, ab Mitte Juni dann „im bis dahin voll funktionstüchtigen Redoutensaal in der Hofburg“ stattfinden können, wie das Parlament ORF.at mitteilte.

Umzug wegen Generalsanierung

Notwendig ist der Umzug des Parlaments wegen der bis 2020 geplanten Generalsanierung des Parlamentsgebäudes. Rund 130 Jahre nach seiner Errichtung wird das Haus Parlamentsangaben zufolge „vom Dach bis in den Keller saniert und für lange Zeit zukunftsfit gemacht“.

Die ersten Parlamentsmitarbeiter werden schon in den nächsten Wochen in ihre Ersatzquartiere übersiedeln. Zunächst werden die Umzugswagen vor allem den Pavillon Ring auf dem Heldenplatz ansteuern und unter anderem das dort neben dem SPÖ-Klub geplante Demokratiequartier einrichten. Im gegenüberliegenden und nahezu baugleichen Pavillon Burg wird im Juli der ÖVP-Klub Quartier beziehen. Während die FPÖ in der Reichsratsstraße und die Grünen in der Löwelstraße sitzen werden, werden NEOS und das Team Stronach in Büros in der Hofburg untergebracht.

Die Umsiedlung erfolge nach Praktikabilität und nicht etwa nach Fraktionsstärke, wie die zuständige Parlamentsgebäudesanierungs GmbH (PGSG) gegenüber ORF.at betonte. Bisher sei alles nach Plan verlaufen, dank einer bis ins letzte Detail durchgeplanten Logistik soll sich daran auch nichts ändern. „Alles, was geht, wird übersiedelt“, so die PGSG, wobei das zwar für das alte Mobiliar, allerdings nicht für Privates zutrifft. Um mögliche Zimmerpflanzen müssen sich die Parlamentsmitarbeiter und Abgeordneten selber kümmern.

700 Tische, 1.700 Sessel, 1.400 Schränke

Im Schnitt rechnet die PSGS mit acht Kartons pro Person, das könne sich aber von Fall zu Fall deutlich unterscheiden. Parlamentsangaben zufolge werden in Summe 700 fixe und temporäre Arbeitsplätze in die diversen Ersatzquartiere wandern. Übersiedelt werden auch rund 700 Tische, 1.700 Sessel, mehr als 1.400 Schränke und 68 Stahlschränke und Tresore. Dazu kommt die Bibliothek, deren Bestand bereits seit Oktober 2016 abgesiedelt wird. Alles in allem müssen fast 4.200 Laufmeter in die Parlamentsrampe bzw. in das Palais Epstein geschafft werden.

Eindrücke vom Ausweichquartier des Parlaments

ORF.at/Roland Winkler

Auch an das leibliche Wohl ist gedacht: Eine Teeküche in einem der beiden Pavillons auf dem Wiener Heldenplatz

Die Vorbereitungsarbeiten dafür laufen bereits seit Monaten auf Hochtouren. Unter anderem galt es die betroffenen Mitarbeiter über das bevorstehende Großprojekt zu informieren. Um Volumen des Übersiedlungsguts und Kosten möglichst gering zu halten, ist bereits seit Wochen eine Entrümpelung im Gange. Nun werden pro Übersiedlungsblock 100 bis 150 Arbeitsplätze „fließend“ verlegt.

Auch Redoutensaal „im Zeitplan“

„Wir sind in sämtlichen Bereichen im Zeitplan“, teilte zuletzt Parlamentsvizedirektor und Projektleiter Alexis Wintoniak in einer Aussendung mit. Zwar werde in den Redoutensälen der Hofburg „noch gesägt und gehämmert, gestemmt und gebohrt“ - die künftige Funktion ist aber schon deutlich erkennbar.

„In sehr kurzer Zeit müssen wir in ein historisches, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude einen voll funktionsfähigen Sitzungssaal einbauen“, sagte Robert Neunteufel von der Burghauptmannschaft (BHÖ): „Alleine die Einbringung der zum Teil mehrere hundert Kilo schweren Elemente in den Redoutensaal war ein logistischer Kraftakt.“ Der Plenarsaal wurde bereits zuvor in einer Halle in Schwechat aufgebaut und in der Folge in Einzelteile zerlegt. Diese werden nunmehr nach Wien transportiert und in die Hofburg gebracht.

Alles in allem werden für die Einbauten rund 4.300 Quadratmeter Brandschutzplatten, mehr als 50 Kubikmeter Holz, 30 Tonnen Stahl sowie rund 7.500 Stück Schrauben, Gewindestangen und Winkelverbindungen verarbeitet. Die technische Ausstattung beginnt nach den letzten Plenarsitzungen von Nationalrat und Bundesrat Ende Juni, Anfang Juli. Dann können Tonanlage, Kameras und sonstiges Equipment im Parlamentsgebäude abgebaut werden.

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