Der Tod des „Sonnenkönigs“ als Kinofilm

Den „Tod von Ludwig XIV.“, auch bekannt als „Sonnenkönig“, hat der Katalane Albert Serra als eindringliches Kammerspiel inszeniert. Knapp zwei Stunden lang quält sich Jean-Pierre Leaud in der Titelrolle mit seinem Wundbrand im Bein, bis er vor den Augen seines Hofstaats endlich stirbt. Ein meisterliches Spiel aus Blicken und Gesten in einem erlesenen Dekor, das seine Wirkung nur auf der großen Leinwand entfaltet.

Regisseur Serra, gelernter Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler, hat nicht nur ein gutes Händchen für Ausstattung. Auch die Besetzung - ein Dutzend Doktoren und Höflinge, die meistens ratlos, jedenfalls aber respektvoll um das Bett des Sonnenkönigs herumstehen - beweist, wie sorgfältig Serra auch mit Nebenrollen umgeht. Wieder spielen Berufsschaupieler und Laien Seite an Seite. Manche von ihnen hat er einfach in den Dörfern im französischen Perigord, wo gedreht wurde, angesprochen.

Szene aus "Der Tod von Ludwig XIV"

Filmgarten

Mit dicker Perücke und allen Insignien der Macht

Wie Satelliten kreisen sie um das königliche Bett. Darin liegt mit dicker Perücke und allen Insignien der Macht Leaud, berühmt geworden durch seine Hauptrollen in Francois Truffauts Nouvelle-Vague-Filmen. Seit Jahren hat der mittlerweile 73-Jährige nichts Großes mehr gespielt, bis heute weigert er sich, Rollen allein wegen der Gage anzunehmen.

„Ich habe Jean-Pierre in Paris oft besucht“, erzählte Serra im ORF.at-Interview. „Wenn er nicht gerade arbeitet, also meistens, weil er nicht viele Filme macht, dann ist er die ganze Zeit im Bett. Ein bisschen wie Marcel Proust. Er hat eben kein Geld, weil er immer nur radikale Filme gemacht hat und nie Kompromisse.“

Leaud ist ein großer Schauspieler, auch wenn seine Rolle bloß eine liegende ist. Der physische Schmerz und die Bitterkeit des Königs, der nur mit Mühe ein einziges Bisquit zerbeißen und schlucken kann, stehen ihm ins Gesicht geschrieben. Er mag noch die Macht haben, doch sein Körper zerfällt, der Wundbrand verwandelt sein Bein in eine schwarze Masse.

All das spielt sich über fein ziselierte Dialoge und in gedämpften Farben ab. Großes Kino eines Regisseurs mit Gespür für Komposition - und Intuition (läuft diese Woche im Kino an).