650 Flüchtlinge in Catania eingetroffen - Leichen an Bord

Ein schwedisches Militärschiff ist heute mit 650 Flüchtlingen, die bei Rettungseinsätzen im Mittelmeer gerettet worden sind, in Catania eingetroffen. An Bord befanden sich auch neun Leichen, sieben Männer und zwei Frauen. Ermittlungen sind im Gange, um mutmaßliche Schlepper unter den Flüchtlingen zu lokalisieren, wie italienische Medien heute berichteten.

Dutzende werden vermisst

Nach einem Bootsunglück im Mittelmeer werden rund 60 Flüchtlinge vermisst. Von den insgesamt 140 bis 150 Insassen eines Schlauchbootes, das vor der libyschen Küste gekentert war, konnten lediglich 80 Menschen gerettet werden, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Rom mitteilte. IOM-Sprecher Flavio di Giacomo sagte unter Berufung auf Überlebende, das Schlauchboot sei wenige Stunden nach seinem Start in Libyen mit Wasser vollgelaufen. Die Insassen hätten stundenlang ausgeharrt, bis ein Boot vorbeikam und sie rettete.

Fieberhafte Suche nach Unterkünften

Das Innenministerium in Rom sucht fieberhaft nach Unterkünften für die Tausenden Menschen, die in den vergangenen Wochen in Süditalien eingetroffen sind. Das Ministerium rechnete bisher mit der Ankunft von 200.000 Flüchtlingen im gesamten Jahr 2017. Wegen der hohen Zahl von Ankünften in den vergangenen Tagen wird nun nach zusätzlichen 20.000 Unterkünften gesucht.

Protest in Flüchtlingslager nahe Venedig

In dieser schwierigen Situation kam es auch zu Spannungen unter Flüchtlingen in der Provinz Venedig. Etwa 50 Asylsuchende protestierten gestern im Aufnahmezentrum von Cona nahe Venedig gegen die Ankunft von rund 100 neuen Flüchtlingen. Die Einrichtung mit 1.400 Personen sei heillos überfüllt, klagten die Demonstranten, die den Zugang versperrten.

Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi forderte unterdessen gesamteuropäische Lösungen, um Italien im Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand zu entlasten. Bei 6.000 Ankünften pro Tag drohe Italiens Aufnahmesystem der Zusammenbruch. Auch Außenminister Angelino Alfano meinte, dass nur Europa eine Lösung für die Massenabfahrten von Libyen in Richtung Süditalien finden könne.