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Vergleich mit Schanghai und Neu-Delhi

Die boomende Kreuzfahrtindustrie hat einem britischen TV-Bericht zufolge ein schwerwiegendes Abgasproblem. Passagiere erwarte an Deck nicht frische Meeresluft, sondern ganz im Gegensatz eine Schadstoffmenge, die selbst die Werte großer Metropolen übertrifft, wie britische Medien am Dienstag mit Verweis auf „verdeckte Ermittlungen“ von Channel 4 berichten.

Die an Bord eines Kreuzfahrtschiffes nachgewiesenen ultrafeinen Schadstoffpartikel sorgen dem TV-Sender zufolge sowohl bei Umweltschützern als auch bei Medizinern für schwere Bedenken. Die nachgewiesenen Schadstoffpartikel seien derart klein, dass sie direkt in den Blutkreislauf gelangen können, so der „Guardian“ mit Verweis auf Experten.

Der auf Luftverschmutzung spezialisierte Matthew Loxham von der Universität im britischen Southampton äußert in diesem Zusammenhang mögliche Gesetzeslücken. Angesichts der an sich in stark luftverschmutzten Großstädten wie dem chinesischen Schanghai und dem indischen Neu-Delhi erwarteten Schadstoffmengen stelle sich die Frage, ob die Gesetzgebung ihren Zweck erfüllt, wie Loxham der Zeitung zufolge sagte.

Kritik an hohem Schwefelanteil

Kritisiert werden in diesem Zusammenhang vor allem das Festhalten an Schweröl als billigem Treibstoff für die Kreuzfahrtindustrie und dabei der hier zulässige hohe Schwefelanteil, der weit über den etwa auf der Straße zulässigen Grenzwerten liegt. Die Feinstaubemission eines einzigen Kreuzfahrtschiffes sei vergleichbar mit der von einer Million Autos, wie dazu der „Independent“ berichtete.

„Lange bekannt“

Untermauert werden damit Vorwürfe vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), der der Kreuzfahrtindustrie immer wieder vorwirft, sich vielfach gegen einen Umstieg auf sauberere Kraftstoffe und den Einsatz effektiver Abgasreinigungssysteme zu sträuben: „Solche Schritte könnten die massive Luftverschmutzung der Ozeanriesen unmittelbar signifikant reduzieren und dadurch die Belastung von Mensch, Umwelt und Klima deutlich mindern.“

Erinnert wurde von der Umweltschutzorganisation daran, dass bei der Verbrennung von Schweröl und Marinediesel nicht nur Feinstaub und Ruß freigesetzt werden, sondern unter anderem auch andere gesundheitsgefährdende Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Schwermetalle. Dieselabgase würden mittlerweile auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krebserregend eingestuft, so die Nichtregierungsorganisation, der zufolge es gleichzeitig „lange bekannt“ sei, „dass Schiffsabgase Unmengen giftiger Luftschadstoffe enthalten“.

Norwegen erwägt Verbot für Fjorde

Handlungsbedarf wurde hier zuletzt etwa auch von Norwegens Umweltminister Vidar Helgesen geortet. Dessen Schätzungen zufolge sei rund die Hälfte jener Kreuzfahrtschiffe, die die norwegischen Fjorde befahren, vor dem Jahr 2000 gebaut worden und würde damit nicht den modernen Umweltanforderungen entsprechen.

Aus diesem Grund habe er das Seefahrtsamt nun aufgefordert, bis Ende 2018 ein Regelwerk auszuarbeiten, mit dem den betroffenen Schiffen der Zugang zu den bei Kreuzfahrten beliebten norwegischen Fjorden untersagt werden soll. Das Ziel sei, den Ausstoß von Nitrogenoxid und Schwefel zu verringern und das Leeren von Toilettenabfällen zu verbieten, wie Helgesen am Montag weiter mitteilte.

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