Fall Liu Xiaobo: China stimmt Ausreise weiterhin nicht zu

China lässt den krebskranken Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo weiterhin nicht zur Behandlung ins Ausland reisen, obwohl er nach Einschätzung deutscher und amerikanischer Experten transportfähig ist. Liu verbüßt eine Haftstrafe und wird derzeit in einer chinesischen Klinik behandelt.

Peking will keine „Einmischung in innere Angelegenheiten“

Andere Staaten sollten Chinas juristische Unabhängigkeit respektieren und sich nicht in seine „inneren Angelegenheiten“ einmischen, sagte ein Sprecher des Außenamtes in Peking heute auf die Frage von Journalisten, ob Liu ausreisen dürfe.

Klinik: Zustand lebensbedrohlich

Liu leidet an metastasierendem Leberkrebs. Nach Angaben seines Krankenhauses befinde er sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Sein Tumor an der Leber sei gewachsen, und die Leber blute, teilte das Universitätskrankenhaus in Shenyang heute mit. Die Ärzte hätten seine Familie informiert, dass der 61-Jährige wahrscheinlich auf die Intensivstation kommen werde.

Der Bürgerrechtler war am Wochenende vom Heidelberger Krebsspezialisten Professor Markus Büchler und von dessen US-Kollegen Joseph M. Herman besucht worden. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass der Patient für eine Behandlung in Deutschland oder den USA „grundsätzlich transportfähig“ sei.

2009 zu elf Jahren Haft verurteilt

Liu war 2009 wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte ein Bürgermanifest veröffentlicht. 2010 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Wegen seiner Krebserkrankung war der 61-Jährige kürzlich aus dem Gefängnis in die Universitätsklinik der nordostchinesischen Stadt Shenyang verlegt worden. Dort steht er weiter unter Bewachung. Sowohl er als auch seine Frau wollen China verlassen.