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Bisher größtes Leck zu Steueroasen

Bei der 101. Verleihung der renommierten Pulitzer-Preise Anfang April sind die Enthüllungen der Panama-Papers mit dem Preis für „erklärende Berichterstattung“ ausgezeichnet worden. Über das bisher größte Datenleck zu Steueroasen wurde in einem internationalen Mediennetzwerk unter österreichischer Beteiligung von ORF und ORF.at sowie dem „Falter“ berichtet.

Der Pulitzer-Preis für die Enthüllung ging an das Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ) in Washington, den US-Medienkonzern McClatchy und die Zeitung „Miami Herald“, wie die Organisatoren im April in New York mitteilten. Die Preise zeichnen zwar nur US-amerikanischen Journalismus aus, indirekt gehöre die Ehrung aber allen anderen weltweit beteiligten Medien und Journalisten, sagte der Verwalter der Pulitzer-Preise, Mike Pride.

400 Journalisten, 20.000 Briefkastenfirmen

Mit den Panama-Papers hatten das ICIJ und die „Süddeutsche Zeitung“ das bisher größte Datenleck mit Geschäften rund um Steueroasen veröffentlicht. Auf Basis von über elf Millionen Dokumenten, die meisten von der auf die Erstellung und Verwaltung von Briefkastenfirmen spezialisierten panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, werteten knapp 400 Journalisten weltweit über 200.000 Briefkastenfirmen aus.

Die Daten gaben einen Einblick, wie Staats- und Regierungschefs, Oligarchen und Waffenschmuggler in Steueroasen ihr Vermögen verschleiern und welche Rolle dabei Anwaltskanzleien, Stiftungen und Banken - darunter etwa auch in Österreich die Hypo Vorarlberg - spielen. Die Daten ermöglichten es, ganz konkret die Spur von unversteuertem Geld zu verfolgen.

Weitreichende Folgen

International hatte die Recherche recht unmittelbar zahlreiche Folgen: So musste etwa Islands Premier David Gunnlaugsson zurücktreten. Der Uruguayer Eugenio Figueredo, Vizepräsident der Weltfußballverbands (FIFA), wurde verhaftet. Er musste seine Funktion ebenso zurücklegen wie sein Landsmann Juan Pedro Damiani, der Mitglied der FIFA-Ethikkommission war.

Auch nach Russland - etwa zu einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin -, Malta und in den Nahen Osten führten die Spuren. Nicht nur in Panama, sondern weltweit starteten Behörden Untersuchungen, und die Politik kündigte schärfere Regeln gegen Steuerbetrug an. Vor allem bei den gesetzlichen Verschärfungen gab es aber bisher kaum Fortschritte, wie Kritiker beklagen.

Preis für Leak von Trumps Übergriffvideo

Insgesamt wurden Preise in 21 Sparten verliehen. Der US-Reporter David Fahrenthold von der Zeitung „Washington Post“ wurde in der Kategorie „Nationaler Journalismus“ für seine kritische Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump während des Wahlkampfs ausgezeichnet. Das Preiskomitee würdigte Fahrentholds investigative Arbeit am Montag in New York als „Modell für transparenten Journalismus“.

Fahrenthold hatte über den Videomitschnitt aus dem Jahr 2005 berichtet, in dem der Immobilienmogul und heutige Präsident sich mit sexuellen Übergriffen gegen Frauen brüstete. Außerdem recherchierte der „Washington Post“-Journalist zu Trumps Selbstdarstellung als großzügiger Spender für wohltätige Zwecke, die sich als vielfach unwahr herausstellte.

„New York Times“ und „Wall Street Journal“ geehrt

Der Preis für Auslandsberichte ging an die Zeitung „New York Times“ für ihre Artikel über die aggressiven Methoden von Russlands Präsident Putin zur Ausweitung des russischen Einflusses in der Welt. Die Zeitung erhielt auch noch den Preis für Fotografie und Reportage. Für die besten Kommentare wurde Peggy Noonan vom „Wall Street Journal“ geehrt.

Den Preis in der Königskategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“ gewannen die Lokalzeitung „New York Daily News“ und die stiftungsfinanzierte Recherchegruppe „ProPublica“ für die Aufdeckung von diskriminierendem Missbrauch von Zwangsräumungsregelungen in New York. Mit der „Storm Lake Times“ gewann eine zweiwöchig erscheinende Zeitung mit einer Auflage von nur 3.000 Exemplaren den Preis für den besten Leitartikel.

Die Pulitzer-Preise, die in diesem Jahr bereits zum 101. Mal vergeben werden, gelten als die bedeutendsten Auszeichnungen im Journalismus. Sie werden aber auch in anderen Kategorien vergeben, zum Beispiel in Poesie und Belletristik. Letzteren Preis konnte Colson Whitehead für seinen gefeierten Roman über Sklaverei, „The Underground Railroad“, gewinnen. Tyehimba Jess gewann für „Olio“ den Preis in der Kategorie Poesie.

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