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Opposition fordert Rücktritt

Der Druck auf den pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif im Panama-Papers-Korruptionsfall wächst. Seit mehr als einem Jahr beschäftigt der Korruptionsskandal um Offshore-Geschäfte der Familie Sharif das Land. Am Montag starteten die letzten Verhandlungen des Obersten Gerichtshofs. Nicht zuletzt das Bekanntwerden eines „Schriftartenskandals“ könnte zur Absetzung Sharifs führen.

Bei der Anhörung des Höchstgerichts am Montag in der Hauptstadt Islamabad forderten die Oppositionsparteien des Landes einmal mehr die Absetzung das langjährigen Regierungschefs Sharif. Ein Anwalt von Oppositionsführer Imran Khan reichte einen entsprechenden Antrag ein. Eine Entscheidung wird für die kommenden Wochen erwartet.

Anwälte vor dem Höchstgericht in Islamabad

Reuters/Faisal Mahmood

Anwälte der Opposition vor dem Höchstgericht in Islamabad am Donnerstag

Hintergrund des Antrags sind Erkenntnisse aus den Panama-Papers. Ein internationales Journalistenteam hatte im April 2016 Details über gut 200.000 Briefkastenfirmen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca veröffentlicht, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Veröffentlichung - auch durch den ORF und ORF.at - führte zu weltweiten Ermittlungen und einer Debatte über Steueroasen und Geldwäsche.

Familie Sharif in den Panama-Papers

In den Dokumenten tauchte auch der Name „Sharif“ auf, zwar nicht jener des Ministerpräsidenten persönlich, jedoch die Namen seiner Kinder. Diese sollen über Offshore-Firmen in Steueroasen Millionenbeträge aus dubiosen Quellen in Londoner Luxusimmobilien investiert haben. Laut den Panama-Papers hatten drei der vier Kinder Sharifs von Offshore-Geschäften profitiert: seine als politische Nachfolgerin geltende Tochter Maryam und seine Söhne Hasan und Hussein.

Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif

Reuters/Caren Firouz

Sharfis Kinder am Donnerstag vor der Anhörung: Tochter Maryam und die Söhne Hussein und Hasan

Im Zentrum des Skandals steht die Frage, mit welchen Geldern Sharifs Familie die Luxuswohnungen in London kaufte. Das Vermögen übersteigt deutlich die Summe der bisher bekannten Einkünfte der Familie. Diese hat jegliche Vorwürfe zurückgewiesen und gesagt, das Geld stamme aus legalen Quellen. Auch das oberste Gericht entschied im April, dass die Vorwürfe nicht ausreichen würden, um den Regierungschef des Amtes zu entheben.

Untersuchungskommission führte Ermittlungen fort

Daraufhin verhörte eine Untersuchungskommission aus sechs Ermittlern unter anderem des Kriminalamts des Landes sowie von Geheimdiensten Sharif und Mitglieder seiner Familie und versuchte herauszufinden, wie die Familie die Wohnungen in London finanzierte. Die Untersuchungskommission empfahl dem Höchstgericht vergangene Woche weitere Ermittlungen gegen den Ministerpräsidenten. Dieser hatte gehofft, nach Abschluss dieser Untersuchung entlastet zu sein.

Dokument gefälscht?

Die Ermittler legten einen 250 Seiten langen Bericht vor, der „krasse Lücken“ in den Nachweisen zum Vermögen der Sharif-Familie sieht. Sharifs Tochter Maryam warfen die Ermittler vor, gefälschte Dokumente vorgelegt zu haben. Es handelt sich dabei um ein Schriftstück, das angeblich aus dem Jahr 2006 stammt und die Tochter als „Treuhänderin“, nicht als „Besitzerin“ der Londoner Immobilien aufführt. Maryam Sharif verbreitete das Papier bereits im November 2016 auf Twitter mit dem Kommentar: „Ich bin eine Treuhänderin & NICHT die Besitzerin. Beweis anbei. #DieWahrheit“.

„#Fontgate #Calibri“

Laut Bericht hatten die Ermittler die Dokumente zum Radley Forensic Document Laboratory in London geschickt, das Papiere auf Echtheit hin untersucht. Die Experten stellten dabei fest, dass die Schriftart der angeblich aus dem Jahr 2006 stammenden Dokumente - Calibri - damals noch gar nicht erfunden war. Der Font wurde offiziell erst 2007 eingeführt.

In Sozialen Netzwerken verbreitete sich die Nachricht über die möglichen gefälschten Dokumente unter „#Fontgate #Calibri“. Für den pakistanischen Regierungschef könnte die Microsoft-Schriftart zum Verhängnis werden. Der Skandal um die in Calibri verfassten Dokumente bringt erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des einflussreichen Clans. Sollte sich herausstellen, dass Sharif Vermögen verborgt hat, könnte er nicht nur des Amtes enthoben, sondern auch strafrechtlich verfolgt werden.

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