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„Ganz Frankreich ist mobilisiert“

Bei schweren Waldbränden sind in Südfrankreich und auf Korsika bislang rund 4.000 Hektar Vegetation zerstört worden. Tausende Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Zivilschutzes waren am Dienstag im Einsatz, um die durch starke Winde weiter angefachten Feuer zu bekämpfen.

Im Einsatz stehen mittlerweile auch 19 Löschflugzeuge, weitere sollen demnächst aus dem EU-Ausland folgen: Angesichts der sich weiter ausbreitenden Feuer bat Frankreich nun auch Brüssel um Unterstützung. Die EU-Kommission teilte am Abend in Brüssel mit, dass unter anderem Italien ein Flugzeug zur Verfügung stelle. Ein europäischer Copernicus-Satellit helfe zudem, den Schaden in betroffenen Gebieten zu ermitteln.

Löscharbeiten in Frankreich

Reuters/Eric Gaillard

19 Löschflugzeuge standen am Dienstag im Süden Frankreichs im Dauereinsatz

„Apokalyptisch“

Besonders kritisch war die Lage am Dienstag im südostfranzösischen Departement Var. Dort wüteten zwei Waldbrände, einer davon nahe dem berühmten Badeort Saint-Tropez. Der Wald sei nur schwer zugänglich, zugleich gebe es in der Gegend viele Häuser, sagte der zuständige Präfekt Stephane Bouillon im Sender Europe 1. „Der Brand ist extrem heftig und schwer einzudämmen.“

300 Menschen, die auf einem Campingplatz Urlaub machten, wurden in Sicherheit gebracht. In der Nacht auf Mittwoch mussten zudem rund 10.000 Menschen wegen eines neuen Feuers nahe Bormes-les-Mimosas ihre Häuser verlassen. Mindestens 400 Hektar Wald seien dort verbrannt, teilte die Feuerwehr mit.

Auch die Mittelmeer-Insel Korsika war von Bränden betroffen. Bei Biguglia an der Nordostküste mussten zahlreiche Einwohner in Sicherheit gebracht werden. Mindestens zehn Autos brannten aus, ein Sägewerk brannte nieder. „Das ist apokalyptisch“, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP.

Laut einer vorläufigen Behördenbilanz wurden auf Korsika 1.800 Hektar Wald zerstört. Im Departement Var waren es 1.200 Hektar, im benachbarten Departement Vaucluse 800 Hektar. Nachdem in letzterem zuletzt rund 100 Häuser um den Ort Bastidonne geräumt werden mussten, gab es am Dienstag wieder Entwarnung: Feuerwehrangaben zufolge ist dort der Waldbrand unter Kontrolle.

Mehrere Einsatzkräfte verletzt

Bei der Brandbekämpfung waren nach Angaben des französischen Innenministeriums mehr als 4.000 Feuerwehrleute und Zivilschutzmitarbeiter im Einsatz. Aus mehreren Landesteilen kam Verstärkung, unter anderem aus dem Elsass. „Ganz Frankreich ist mobilisiert“, sagte die Nummer zwei der französischen Feuerwehr, Gregory Allione, dem Sender France Info.

Dem Nachrichtensender zufolge wurden insgesamt 20 Feuerwehrleute und Polizisten bisher verletzt oder hätten Rauchgasvergiftungen erlitten. Die große Trockenheit und die starken Winde begünstigen die Ausbreitung der Waldbrände im Süden des Landes. Als Brandursache gelten Unachtsamkeit wie beispielsweise weggeworfene Zigarettenstummel, aber auch Brandstiftung.

Rauchwolken über Rom und Mailand

Neben Frankreich sind auch weitere südeuropäische Länder wie Italien, Portugal und Spanien weiter mit schweren Bränden konfrontiert. Erneut im Einsatz standen die Einsatzkräfte in der „grünen Lunge“ der italienischen Hauptstadt Rom. Nachdem im Pinienwald von Castelfusano erst in den vergangen Tagen schwere Brände gelöscht wurden, wurde am Dienstag erneut von mehreren Brandherden berichtet.

Canadair-Flugzeuge und Hubschrauber löschten die Flammen in Castelfusano, die auch vom Strand von Ostia aus zu sehen waren. Bei einem weiteren Brand im Süden Roms stieg eine schwarze Rauchwolke auf, die sich im eleganten Viertel Esposizione Universale di Roma (EUR) verbreitete. Unbekannte hatten laut Feuerwehr große Mengen Müll angezündet. Auch über Mailand lagen am Dienstag dunkle Rauchwolken. Medienberichten zufolge brannte auch nahe der norditalienischen Metropole eine Mülldeponie.

Mehrere Dörfer in Portugal evakuiert

Mit 17 Brandherden waren nach Angaben der Zeitung „Observador“ zu Wochenbeginn auch rund 2.000 Feuerwehrleute in Portugal konfrontiert. Besonders schlimm betroffen waren die zentralen Bezirke Castelo Branco und Coimbra, wo Eukalyptuswälder brannten. In der Region von Santarem wurden laut der Zeitung „Publico“ die Bewohner aus drei Dörfern vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Löscharbeiten in Portugal

Reuters/Rafael Marchante

Ein vom Feuer zerstörtes Fahrzeug in Portugal

Erst in der vergangenen Woche hatte das Parlament in Lissabon entschieden, den Anbau der leicht entzündlichen Eukalyptusbäume künftig zu reduzieren. Die Regierung reagierte damit auf die schweren Waldbrände im Juni. Damals kamen 64 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in ihren Autos, als sie versuchten, vor der Feuerwalze zu fliehen.

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