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Richtungsstreit bei digitaler Währung

Neben Bitcoin gibt es ab 1. August auch Bitcoin Cash. Der neueste von mittlerweile Hunderten Ablegern der digitalen Währung verspricht, Bitcoin auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Das Vorgehen ist umstritten, die Diskussion darüber spaltet das Lager der Bitcoin-Anhänger.

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Zuletzt war die digitale Währung vor allem wegen ihres anhaltenden Höhenflugs oft in den Schlagzeilen. Mit Kursen jenseits der 3.000-Dollar-Marke (rund 2.600 Euro) für einen Bitcoin wurde die digitale Währung zunehmend für Anleger interessant. Auch Unternehmen, Banken und die Politik setzen sich zunehmend mit dem Thema auseinander.

Zu langsam für großen Andrang

Ausgerechnet die rasch zunehmende Beliebtheit könnte Bitcoin jetzt zum Verhängnis werden. Denn der Andrang und das rege Geschäft mit den digitalen Münzen lässt die noch junge Technologie an ihre Grenzen stoßen. Die Infrastruktur, auf der Bitcoin momentan aufbaut und mit der jede einzelne Überweisung bestätigt wird, lässt aus Sicherheitsgründen nämlich nur rund sieben Transaktionen pro Sekunde zu. Zum Vergleich: Kreditkartenanbieter können weit über 1.000 Transaktionen pro Sekunde bearbeiten.

Einigung sollte Spaltung abwenden

Die Frage, wie mit diesem Problem umgegangenen werden soll, spaltet die Bitcoin-Community - Entwickler, Börsen, Anleger und Fans - bereits mehrere Jahre. Einigkeit herrscht nur darüber, dass Bitcoin allgemein mit mehr Transaktionen gleichzeitig umgehen können muss. Wird die Leistung nicht erhöht, sehen viele Experten ein mögliches jähes Ende für die digitale Währung.

Erst vergangene Woche sah es noch so aus, als gäbe es für das anhaltende Problem eine Lösung. Ein überwältigender Großteil jener Anwenderinnen und Anwender, die für die Erzeugung neuer Bitcoins zuständig sind (die allgemein als „Miner“ bezeichnet werden), hat sich für einen Änderungsvorschlag ausgesprochen, der dem Problem zumindest für die nächste Zeit entgegenwirkt. Ziel der Einigung war es, eine Spaltung des Bitcoin-Netzwerks zu verhindern.

Verschwörungstheorien inklusive

Doch genau diese Spaltung wird mit dem Vorstoß der Bitcoin-Cash-Proponenten stattfinden. Auf dem vorläufigen Webauftritt der neuen Währung wird das vor allem mit technischen Argumenten begründet, tatsächlich ist die Debatte längst zum Politikum geworden - mit teils grotesken Ausmaßen. Die zwei kollidierenden Lösungsansätze haben in der Vergangenheit zu gegenseitigen Hackerangriffen geführt, manche sehen in dem letzte Woche akzeptierten Vorschlag gar eine Verschwörung von Geheimorganisationen, denen vorgeworfen wird, Bitcoin kontrollieren zu wollen.

Unterstützung für Abspaltung entscheidend

Welche Auswirkungen eine Spaltung auf Bitcoin hätte, ist nicht abzusehen - das hängt vor allem von der Unterstützung der Nutzer ab. Denn Weiterentwicklungen auf Basis von Bitcoin gibt es bereits Hunderte, angefangen von eigenen Währungen wie Litecoin bis zu vergleichbaren Abspaltungen wie Bitcoin Unlimited. Durchsetzen konnten sich die Entwicklungen jedoch bisher nicht.

Auch Bitcoin Cash wird ohne Unterstützung schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, ist eine gewisse Rechenleistung, die von den „Minern“ ausgeht, doch eine der Voraussetzungen, um das Netzwerk am Leben zu halten. Das Interesse war rund um die Ankündigung noch recht groß: Damals gingen Börsen davon aus, dass Bitcoin Cash etwa die Hälfte eines Bitcoin wert sein wird. Mittlerweile liegt dieser Wert nur noch bei rund 0,15 Bitcoin.

Ein Detail sticht bei der Einführung von Bitcoin Cash dennoch hervor: Im Gegensatz zu bisherigen Abspaltungen übernimmt Bitcoin Cash auch die gesamte Blockchain-Datenbank, in der jede Transaktion gespeichert wird. Das bedeutet, dass zu Beginn jeder derzeitige Bitcoin-Besitzer gleich viel Bitcoin Cash besitzen wird - und nicht, wie üblich, bei null anfangen muss. Dieser Umstand könnte ein Anreiz sein, die neue Währung zu verwenden.

Künftig noch weiter verbreitet

Die Entscheidung, ob sich Bitcoin Cash durchsetzen wird oder nicht, könnte auch die Richtung für digitale Währungen im Allgemeinen vorgeben. Die neue Währung setzt nämlich in erster Linie auf bewährte Technologien in größerem Maßstab. Der ursprüngliche Lösungsvorschlag öffnet Bitcoin hingegen für ganz neue Anwendungsfelder, die bisher großteils unbekannten Währungen vorbehalten waren.

Damit könnte Bitcoin bald noch präsenter als bisher sein und vor allem endgültig Einzug in den Alltag halten. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet der Dinge, also etwa vernetzten Haushaltsgeräten, könnten Energiekosten vollautomatisiert über die Bitcoin-Technologie zwischen Anbietern und Geräten ausgehandelt werden. Was momentan noch nach Science-Fiction klingt, könnte mit den angekündigten Änderungen bald - zumindest in der Theorie - Wirklichkeit werden.

Unruhe, aber leichte Erholung

In der Bitcoin-Community herrscht vor der aktuellen Zerreißprobe Unruhe, obwohl der Abspaltungsprozess nichts Neues und eines der demokratischen Hauptcharakteristika der digitalen Währung ist. Sollte sich Bitcoin letztlich gegen den neuen Konkurrenten durchsetzen, könnte der Höhenflug weitergehen - und damit ein Signal der Sicherheit in Richtung der Anleger senden. Nach anfänglichen Kursverlusten von rund 15 Prozent in der vergangenen Woche konnte sich der Kurs zuletzt wieder leicht erholen.

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