Kritik an Studien ohne Wissen der Patienten

An Anwendungsstudien, mit denen Pharmafirmen schon zugelassene Medikamente noch einmal testen lassen, haben in den vergangenen sechs Jahren in Österreich mehr als 400.000 Patienten teilgenommen - oft auch ohne deren Wissen. Experten fordern mehr Transparenz und kritisieren auch, dass es bei solchen Studien oft mehr ums Geschäft gehe, berichtete heute das Ö1-Morgenjournal. Auch Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) will Änderungen.

„Ein Marketinginstrument“

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) führt seit 2012 ein Register über Anwendungsstudien. Doch für Kritiker gibt es weiterhin Mängel bei der Transparenz. So meint etwa Gerald Gartlehner vom Institut Cochrane, einem Netzwerk von Wissenschaftlern, dass die meisten dieser Studien kaum wissenschaftlichen Wert hätten. „Diese Anwendungsstudien sind zum Großteil ein Marketinginstrument der Industrie.“

Bis zu 4.000 Euro pro Patient

Claudia Wild vom Boltzmann-Institut kritisierte gegenüber Ö1 zudem, dass die Patienten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wüssten, dass ihre Daten aufgenommen und weitergegeben werden. „Zum Zweiten wissen sie hundertprozentig nicht, dass ihre Ärzte dafür ein Honorar bekommen“, so Wild.

Diese Honorare könnten - je nach Beobachtungsdauer und Medikamentenkosten - bis zu 4.000 Euro pro Person betragen. Diese Zahlen stammen jedoch aus Deutschland, da in Österreich weder Honorarhöhen noch teilnehmende Ärzte veröffentlicht werden.

Gesundheitsministerin für Änderung

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber sagte, er könne sich vorstellen, dass künftig mehr Daten zu den Studien veröffentlicht würden. Das sei aber eine Entscheidung der Behörde und der Politik, so Huber zum Morgenjournal. Später ließ er via Aussendung wissen, die Durchführung der Studien sei behördlich geregelt, und die Ärzte bekämen ein dem Mehraufwand angemessenes Honorar dafür.

Doch auch Gesundheitsministerin Rendi-Wagner will Änderungen: Sie werde sich dazu mit allen Beteiligten zusammensetzen, kündigte sie in einer Stellungnahme an. „Es freut mich sehr, dass es jetzt auch positive Signale aus der Ärztekammer und der Pharmaindustrie gibt, das war vorher nicht der Fall“, so Rendi-Wagner.