Rechtsextreme verfolgten Rettungsschiff im Mittelmeer

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Ein Schiff rechtsextremer Aktivisten, die Flüchtlinge an der Überfahrt nach Europa hindern wollen, hat vor der libyschen Küste das Rettungsschiff „Aquarius“ verfolgt. Die „C-Star“ traf gestern in einem Gebiet rund 20 Seemeilen vor Libyen ein, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP an Bord der „Aquarius“ berichtete.

30 bis 45 Minuten sei das Schiff mit einem Abstand von wenigen hundert Metern hinter der „Aquarius“ her gefahren, später sei es dem Rettungsschiff aus größerer Distanz gefolgt, so der Reporter.

Die Besatzung der „Aquarius“, die von den beiden Hilfsorganisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, wollte sich nicht dazu äußern, ob sie die Nähe der „C-Star“ als Bedrohung empfindet. Während die „C-Star“ in der Nähe war, fuhr das Rettungsschiff allerdings mit doppelter Geschwindigkeit.

Anfang Juli in Dschibuti gestartet

Das von der Gruppe „Defend Europe“ gecharterte Schiff hatte Anfang Juli den Hafen von Dschibuti verlassen und hatte über den Suez-Kanal und Zypern Kurs auf die libysche Küste genommen. Hinter der Aktion stehen österreichische, deutsche, französische und italienische Mitglieder der rechtsextremen Identitären.

Zuletzt war die rechtsextreme Unternehmung mit Berichten in den Medien, wonach das Schiff und seine Besatzung in Nordzypern festgesetzt worden seien. Ende Juli berichtete die türkischsprachige Zeitung „Kibris gazetisi“, ein Gericht habe gegen neun Besatzungsmitglieder einen eintägigen Gefängnisaufenthalt angeordnet. Die Zeitung „Yeni Düzen“ schrieb, ihnen sei unter anderem Dokumentenfälschung vorgeworfen worden.

Italien ermittelt gegen Ärzte ohne Grenzen

Die italienische Staatsanwaltschaft hat unterdessen ihre Ermittlungen wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung auf die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ausgeweitet. Hintergrund sei der Verdacht, dass Mitglieder vor der Küste Libyens Migranten aufgenommen hätten, deren Sicherheit nicht unmittelbar in Gefahr gewesen sei, hieß es gestern aus Justizkreisen.

Erst am Mittwoch hatte die Küstenwache das Flüchtlingsrettungsboot „Iuventa“ der deutschen Organisation Jugend Rettet im Mittelmeer gestoppt und zur Insel Lampedusa eskortiert. Die Aktivisten würden der Beihilfe zur illegalen Einwanderung aus Libyen verdächtigt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Es war das erste Mal, dass Italien ein Flüchtlingsrettungsboot festsetzte.

NGO nicht informiert

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, sie sei nicht über die Ermittlungen informiert worden, aber bereit, mit den Behörden zu kooperieren. Man hoffe, dass rasch alle Zweifel ausgeräumt werden könnten.

Die Regierung in Rom verlangt von acht Hilfsorganisationen, einen Verhaltenskodex zu unterschreiben, wenn sie im südlichen Mittelmeer unterwegs sind. Dazu gehört die Bereitschaft, einen bewaffneten Polizisten an Bord zu nehmen. Jugend Rettet und Ärzte ohne Grenzen gehören zu den vier Organisationen, die den Kodex nicht unterzeichnet haben.