Libyen sperrt Küste für ausländische Rettungsboote

Nach Italien droht nun auch Libyen Flüchtlingshelfern im Mittelmeer mit einem harten Vorgehen. Die libysche Marine erklärte gestern, ausländische Schiffe dürften die Küste des Landes ohne spezielle Erlaubnis der Behörden nicht mehr anfahren. Das gelte für eine „Such- und Rettungszone“ für Flüchtlinge rund um die Küste. Wie weit sich diese Zone erstreckt, war zunächst unklar.

Vorhaben auch umsetzbar?

Ein Sprecher der libyschen Marine sagte in Tripolis, das sei „eine klare Botschaft an alle, die die libysche Souveränität missachten und keinen Respekt für die Küstenwache und Marine haben“. Die neue Vorschrift gelte ausdrücklich „für Nichtregierungsorganisationen, die vorgeblich illegale Einwanderer retten und humanitäre Aktionen durchführen wollen“. Allerdings bleibt offen, wie effektiv die libysche Marine dieses Vorhaben tatsächlich umsetzen kann. Auch Italien hatte zuletzt den Druck auf die Seenotretter verstärkt.

Flüchtlinge nutzen zunehmend Seeweg nach Spanien

Indes wird offenbar eine andere Fluchtroute wieder verstärkt genutzt: In Spanien könnten in diesem Jahr mehr Flüchtlinge über den Seeweg ankommen als in Griechenland. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte, kamen seit Jahresbeginn bis zum 6. August fast 8.200 Flüchtlinge nach Spanien. Das sei mehr als im gesamten Jahr 2016. In Griechenland kamen im gleichen Zeitraum 11.713 Menschen über das Mittelmeer an.

Als eine Ursache für die steigenden Flüchtlingszahlen in Spanien gilt laut IOM die gefährliche Route über die Sahara und Libyen. Viele Menschen aus westafrikanischen Ländern würden daher ausweichen und an der Küste entlang über Marokko versuchen, nach Europa zu gelangen. Dafür würden in der Regel aber kleinere Boote genutzt.

Urlauber an einem Strand in Südspanien waren dieser Tage von der Ankunft eines Flüchtlingsbootes überrascht worden. In Tarifa an der Südküste kamen zehn Flüchtlinge in einem Boot an.