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„Australische Werte“ ausschlaggebend

Australien will künftig nur noch Ausländern mit guten Englischkenntnissen die Einbürgerung ermöglichen. Gefordert wird auch ein Bekenntnis zu „australischen Werten“, gab die konservative Regierung unter Malcolm Turnbull im Frühjahr bekannt. Außerdem müssen Anwärter vier Jahre in Australien leben, um die Staatsbürgerschaft erlangen zu können - bisher genügte eines.

Turnbull sagte, mit den strengeren Prüfungen solle das klassische Einwanderungsland „stärker“ gemacht werden. Die Einwanderer müssten sich der „australischen Werte“ bewusst sein - dazu zählten „Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Freiheit, gegenseitiger Respekt und die Gleichheit zwischen Mann und Frau“. Die Kandidaten sollen zum Beispiel Auskunft darüber geben, was sie von Kinderhochzeiten und Genitalverstümmelung halten und ob sie es in Ordnung finden, Frauen zu schlagen.

Mit den Sprachtests soll eruiert werden, ob die Kandidaten mit der englischen Sprache sowohl schriftlich als auch mündlich zurechtkommen. Bewerber müssen außerdem nachweisen, dass sie sich integriert haben. Gut 114.000 Ausländer absolvierten den Test laut offiziellen Statistiken im Zeitraum 2014/2015, knapp 112.500 bestanden ihn.

Irin scheiterte an Englischtest

Etwaige Schwächen im System wurden vor einer Woche durch eine Tierärztin aus Irland aufgezeigt: Sie scheiterte beim Versuch, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, am Englischtest. Der Muttersprachlerin gelang es in der mündlichen Prüfung nicht, einen Computer mit Spracherkennungsprogramm davon zu überzeugen, dass ihr Englisch gut genug ist. Im Test kam Louise Kennedy nur auf 74 Punkte, gebraucht hätte sie 79. Lesen und Schreiben hatte sie bestanden.

Kennedy, die über zwei Universitätsabschlüsse verfügt, sagte: „Da gibt es offensichtlich eine Schwachstelle in der Software, wenn jemand mit völlig flüssigem Englisch nicht genug Punkte machen kann.“ Der Softwareentwickler wies die Kritik zurück. Die Ärztin lebt bereits seit zwei Jahren mit einem Arbeitsvisum in Australien, wollte jetzt aber eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

Rechte macht Druck auf Regierung

Die australische Regierung steht in der Migrationspolitik unter wachsendem Druck der rechtspopulistischen Partei One Nation. So wurde unlängst ein Visaprogramm abgeschafft, das es australischen Unternehmen ermöglichte, bei Bedarf ausländische Arbeitskräfte anzuheuern. Es wurde ersetzt durch ein System, dass laut Premier Turnbull „rigoros“ die nationalen Interessen in den Vordergrund stellt. „Australier zuerst“, erklärte er in Anlehnung an die von US-Präsident Donald Trump ausgegebene Losung „Amerika zuerst“.

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