Themenüberblick

Viele Verschüttete befürchtet

Überschwemmungen haben im westafrikanischen Staat Sierra Leone eine Schlammlawine ausgelöst, der nach Schätzungen des Roten Kreuzes Hunderte Menschen zum Opfer gefallen sein könnten. Rotkreuz-Sprecher Abu Bakar Tarrawellie sprach am Montagabend von 205 Toten, hielt ein weiteres Ansteigen der Zahl aber für wahrscheinlich. Eine Quelle im Gesundheitsministerium sprach von bis zu 500 Toten.

„Es ist möglich, dass Hunderte tot unter dem Geröll liegen“, sagte Vizepräsident Victor Foh vor Journalisten an der Unglücksstelle. Die Rettungsarbeiten waren noch zu Gange, rund 600 Menschen wurden noch immer vermisst, wie Tarrawellie sagte.

Menschen im Schlaf überrascht

Rettungskräfte seien weiterhin dabei, die Opfer zu bergen und Verschüttete in einem Wettlauf gegen die Zeit aus den Geröllmassen zu befreien. Das Unglück ereignete sich nach Medienberichten in der Ortschaft Regent nahe der Hauptstadt Freetown, als nach heftigen Regenfällen ein Teil eines Hügels abbrach. Laut BBC wurden viele Menschen im Schlaf überrascht.

Erdrutsch in Sierra Leone

APA/AFP/S4CCC-SL

Ein Teil des abgerutschten Hügels

Hauptstadt überflutet

Die Zeitung „Sierra Leone Telegraph“ zeigte Fotos, auf denen ein Hausbewohner bis zum Hals im Wasser steht. Zahlreiche Straßen der Hauptstadt sind überflutet, was die Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert. Im Leichenkeller des größten Krankenhauses der Hauptstadt, des Connaught Hospital, lägen bereits rund 200 Leichen. Es gebe nicht genügend Platz für die „überwältigende“ Zahl der Todesopfer. Bei vielen der Opfer soll es sich um Kinder handeln.

Opferzahl könnte noch weiter steigen

Die Zahl der Opfer durch den Erdrutsch könnte noch weiter steigen. „Es ist wahrscheinlich, dass Hunderte tot unter dem Geröll liegen“, sagte Vizepräsident Victor Foh. Er sagte, in dem Gebiet seien zahlreiche Gebäude illegal errichtet gewesen. Rund 600 Menschen gelten als vermisst.

Überschwemmungen in Sierra Leone

APA/AFP/S4CCC-SL

Teile der Hauptstadt sind überflutet

Auf Bildern örtlicher Medien war zu sehen, wie Menschen bis zum Bauch im Wasser standen, die versuchten, die überspülten Straßen von Freetown zu überqueren. Braune Wassermassen bahnten sich ihren Weg durch die Stadt. Hunderte Häuser wurden zerstört. Ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes sprach von mindestens 2.000 Obdachlosen durch die Überschwemmungen.

Schlechte Infrastruktur

Die Hauptstadt des ehemaligen Bürgerkriegslands Sierra Leone mit ihren etwa einer Million Einwohnern liegt auf einer Halbinsel neben einer Flussmündung. Die Stadt, die aufgrund ihrer hohen Niederschläge als einer der feuchtesten Orte der Welt gilt, verfügt zudem nur über ein ungenügendes Infrastruktursystem. Viele Straßen sind nicht asphaltiert, sodass sie sich bei Regen in Schlammwege verwandeln. Die Regenzeit beginnt dort im Mai und endet im November.

Experten warnen schon seit Jahren, dass schlechte Planung und fehlende Infrastruktur in Freetown zu einer Katastrophe führen könnten. Immer wieder kommt es zu schweren Überschwemmungen in der Stadt, zu denen auch der Klimawandel und Abholzungen rund um die Stadt beigetragen hätten, hieß es 2015 vom Africa Research Institute.

Links: