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Polizei sucht weitere Verdächtige

Die Todesfahrt durch die Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona war vielleicht nur eine „Notlösung“ für die Attentäter: Die Terrorzelle hat nach Ermittlungen der katalanischen Polizei ursprünglich einen Anschlag noch größeren Ausmaßes geplant. Polizeichef Josep Lluis Trapero wies am Freitag auf eine Explosion hin, die sich in der Nacht zum Donnerstag in Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona, ereignet hatte. Nach dieser Explosion hätten die Attentäter „nicht mehr das Material gehabt, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben“, so Trapero.

Die Attentäter hätten vorgehabt, in Barcelona „einen oder mehrere Anschläge“ zu verüben, sagte der Polizeichef. Durch die Explosion in Alcanar hätten sie sich gezwungen gesehen, ihre Planungen zu beschleunigen. Das durch die Detonation komplett zerstörte Haus diente offenbar als Hauptquartier und Bombenwerkstatt der Terroristen. Die Polizei geht davon aus, dass die Pläne monatelang vorangetrieben wurden.

Trümmer eines durch eine Explosion zerstörten Hauses in Alcanar

picturedesk.com/dpa/Tjerk Van Der Meulen

Bei der Explosion am Mittwochabend kam mindestens eine Person ums Leben

Bei der Explosion am Mittwochabend kam laut offiziellen Angaben mindestens eine Person ums Leben, sieben wurden verletzt. Mittlerweile soll eine weitere Leiche unter den Trümmern gefunden worden sein. Die katalanische Polizei Mossos d’Esquadra bestätigte am Freitag über Twitter, sie habe „biologische Überreste“ in dem Haus gefunden. Die Polizei untersuche nun, ob es einen Zusammenhang zwischen der Explosion und dem Terroranschlag von Barcelona gebe, schrieb die spanische Zeitung „La Vanguardia“.

Fahrer bei zweitem Anschlag erschossen?

Wer den Kleintransporter auf der belebten Allee Las Ramblas in Barcelona gelenkt und 13 Menschen getötet sowie mehr als 100 verletzt hat, ist nach wie vor unklar. Womöglich sei der Lenker bei dem Polizeieinsatz in der Stadt Cambrils erschossen worden, so die Polizei. Medienberichten zufolge ist der Attentäter unter den Toten, eine offizielle Bestätigung gibt es bisher aber nicht.

In der Nacht hatte eine Gruppe von Attentätern sechs Menschen und einen Polizist mit einem Auto angefahren. Die Polizei tötete alle fünf Angreifer, drei sind laut Polizei inzwischen identifiziert. Die zunächst an den Getöteten vermuteten Sprengstoffgürtel erwiesen sich als Attrappen. Die Männer hatten laut Polizei eine Axt und mehrere Messer im Auto. Der Anschlag forderte ein Menschenleben, eine Frau erlag am Freitag ihren Verletzungen.

Vier Verhaftungen

Als Fahrer verdächtigt wird allerdings auch ein erst 17-jähriger Marokkaner, nach dem gefahndet wird. Auf ihn trifft die Personenbeschreibung von Augenzeugen zu. Er soll mit dem Ausweis seines Bruders das Tatfahrzeug angemietet haben. Der Name und das Bild des älteren Bruders waren am Freitag veröffentlich worden, der Mann stellte sich dann in der Stadt Ripoll der Polizei und belastete seinen Bruder. Der Mann ist in Polizeigewahrsam. In Ripoll wurden zwei weitere Marokkaner festgenommen, einen Spanier aus der Exklave Melilla nahmen die Fahnder in Alcanar in Gewahrsam. Die vier Verhafteten sind zwischen 22 und 34 Jahre alt.

Karte von Spanien

Grafik: Omniscale/OSM/ORF.at

Polizei sucht vier junge Männer

Die Behörden gehen von einer Terrorzelle von bis zu zwölf Menschen aus. Die Festgenommenen waren nach Angaben der Polizei nicht als „Terrorverdächtige“ bekannt, zum Teil allerdings als Kriminelle. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag laut ihrem Sprachrohr Amak für sich.

Neben dem 17-Jährigen suchte die Polizei drei weitere junge Männer mit marokkanischen Wurzeln. Freitagnachmittag wurden deren Namen und Fotos von der Zeitung „El Pais“ veröffentlicht.

Toter in Auto gibt Rätsel auf

Rätsel gibt noch immer ein anderer Vorfall von Donnerstag auf: Ein Lenker hatte eine Polizeikontrolle durchbrochen und zwei Beamte verletzt. Später wurde der Wagen entdeckt, nach einem kolportierten Schusswechsel wurde ein Mann tot in dem Auto aufgefunden. Zunächst war von einem Verdächtigen die Rede, doch dann verkündete die Polizei, der Vorfall habe nichts mit den Anschlägen zu tun.

Das könnte allerdings doch der Fall sein. Der Mann starb nämlich an Stich- und nicht an Schusswunden. So wird nun spekuliert, ein Attentäter - möglicherweise der 17-Jährige - könnte den Mann getötet und das Fahrzeug zur Flucht verwendet haben. Laut Polizei gibt es für diese These aber bisher keine konkreten Hinweise.

Fahndung auch in Frankreich

Wie Reuters am Freitagabend mit Verweis auf Polizeikreise berichtete, wird auch in Frankreich nach einem möglichen Beteiligtem gefahndet. Gesucht werde der Fahrer eines weißen Lieferwagens vom Typ Renault Kangoo. Die spanische Polizei habe entsprechende Informationen weitergeleitet. Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete, der Wagen sei eines von drei Autos gewesen, das die Attentäter gemietet hätten. Bisher sei es nicht wieder aufgetaucht. Es könnte in Frankreich sein.