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„Das richtet sich gegen die freie Welt“

Am Tag nach dem Terroranschlag von Barcelona hat Bürgermeisterin Ada Colau Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Stadt zu wenige Präventionsmaßnahmen unternommen habe. Konkret sollen das spanische Innenministerium und die Polizeiführung schon vor Monaten vor der Gefahr eines Terroranschlags gewarnt und der Stadtverwaltung empfohlen haben, die Flaniermeile Las Ramblas mit Pollern abzusichern.

Spanischen Medienberichten zufolge habe sich die Stadtverwaltung stattdessen für eine Verstärkung der Sicherheitskräfte entschieden, und diese Vorgangsweise verteidigte Colau nach Angaben der Zeitung „El Pais“ auch weiterhin.

Eine komplette Absicherung von Las Ramblas mit Pollern sei der Stadtchefin zufolge zudem ohnehin nicht möglich, da ungeachtet aller Vorsichtsmaßnahmen etwa auch weiterhin die Zufahrt für Feuerwehrautos garantiert werden müsse. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, wird Colau in diesem Zusammenhang weiter zitiert, und mit dieser Ansicht ist die Stadtchefin von Barcelona nicht allein.

Menschen legen Blumen und Kerzen auf den Platz an dem der Anschlag erfolgte

APA/AP/Manu Fernandez

Immer wieder kam es am Freitag auf Las Ramblas zu spontanen Gedenkveranstaltungen

„Schon so, dass man sich Sorgen machen muss“

„Es gibt keine absolute Sicherheit“, sagte auch Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel, der am Freitag Barcelona besuchte. Gleichzeitig betonte der er, dass er Spanien auch weiterhin für ein sicheres Reiseland halte. "Wir sind ganz sicher, dass Spanien nach wie vor ein Reiseland ist, bei dem wir keinerlei Warnungen aussprechen müssen.

Sein Besuch in Barcelona sei als Solidaritätsbekundung an Spanien zu verstehen, sagte Gabriel. „Über 30 Nationen sind hier betroffen mit Opfern. Das richtet sich gegen die freie Welt, gegen das, was wir unter einem demokratischen Zusammenleben verstehen“, betonte er. „Das sind feige Mörder. Aufgehetzt offenbar durch die Propaganda von Fanatikern.“

Gabriel zufolge sei es zwar noch eine Vermutung, dass die Terrororganisation Islamischer Stadt (IS) tatsächlich hinter den Anschlägen in Barcelona und der nahe gelegenen Küstenstadt Cambrils stehe, „aber manches legt das nahe“. Es sei möglich, dass der IS mit Anschlägen in Europa auf die Zurückdrängung aus seinen Stammgebieten im Irak und in Syrien reagiere. Es gebe Fachleute, die das sagten, so Garbiel: „Es ist schon so, dass man sich Sorgen machen muss, das ist gar keine Frage.“

Trauer nach Anschlag in Barcelona

Aus der ganzen Welt kamen Reaktionen auf den Anschlag in Barcelona. Bei der Trauerkundgebung am Freitag riefen die Leute spontan: „Wir haben keine Angst.“

Viele Touristen unter den Opfern

Bei dem Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag 13 Passanten getötet worden. Nach Angaben von Rettungskräften wurden 130 weitere verletzt. 17 von ihnen schweben in Lebensgefahr, 30 weitere seien sehr schwer verletzt.

Die Opfer des Anschlags stammten nach Angaben der Regierung Kataloniens aus 35 verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Italien, Pakistan und die Philippinen. Nach derzeitigem Wissensstand sind unter den Todesopfern keine Österreicher, eine Österreicherin wurde laut einem Sprecher des Außenministeriums leicht verletzt und konnte das Spital bereits wieder verlassen.

Schweigeminute und Staatstrauer

Ungeachtet der auf Hochtouren laufenden Ermittlungen nach den Tätern und Hintergründen trauten sich am Freitagvormittag die ersten Menschen wieder zurück auf die Ramblas. Einige Bereiche waren weiter abgesperrt. Die spanische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Menschen halten am Plaza de Catalunya in Barcelona eine Trauerminute ab

APA/AFP/Javier Soriano

Trauerminute in Barcelona

Zu Mittag wurde in Barcelona mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy sagte, der Anschlag sei das Resultat eines „dschihadistischen Terrorismus“. „Das ist eine globale Bedrohung, und die Antwort muss global sein.“ Er werde die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Barcelona persönlich überwachen.

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