Macron-Kritik: Polen reagiert mit diplomatischem Schritt

Nach Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat das Warschauer Außenministerium den Geschäftsträger der französischen Botschaft einbestellt. Polens Regierung sei über die „arroganten Worte“ Macrons empört, hat Vizeaußenminister Marek Magierowski nach Angaben der Behörde ausrichten lassen.

Macron hatte bei einem Besuch in Bulgarien kritisiert, Polen würde sich von der Gemeinschaft entfernen und ihren Interessen zuwiderhandeln. Dabei verwies er mitunter auf das Rechtsstaatsverfahren gegen das Land. Warschau wies die Kritik entschieden zurück.

Macron drängt auf Reform, Warschau dagegen

Hintergrund des Streits ist Macrons geplante Reform der Entsenderichtline, mit der er gegen Lohndumping in der EU vorgehen will. Polen leistet gegen schärfere Regeln für ausländische Arbeitnehmer Widerstand. Macron hatte der polnischen Regierung vorgeworfen, sich „bei vielen Themen europäischen Interessen“ entgegenzustellen und Polen „an den Rand“ Europas zu rücken. Warschaus Nein zu einer Verschärfung der EU-Entsenderichtlinie sei ein „neuer Fehler“ der polnischen Regierung. „Das polnische Volk verdient etwas Besseres als das“, sagte Macron.

Szydlo: „Arrogante Äußerungen“

Die polnische Regierungschefin Beata Szydlo entgegnete prompt: „Vielleicht gehen seine arroganten Äußerungen auf seinen Mangel an Erfahrung und politischer Praxis zurück“, sagte die Regierungschefin dem konservativen Nachrichtenportal Wpolityce.pl. Sie erwarte, dass er seine Wissenslücken schließe und künftig zurückhaltender sei.