Umfragetief: Macron will „Kassandrarufe“ ignorieren

Frankreichs in Umfragen abgestürzter Präsident Emmanuel Macron hat seine Minister zu einer entschlossenen Reformpolitik aufgerufen. „Manche sagen das Schlimmste voraus, aber man darf nie auf die Kassandrarufe hören“, sagte Macron heute beim ersten Regierungstreffen nach der Sommerpause. „Wir sind hier, um mit Entschlossenheit zu handeln.“

Möglicherweise verwechselte Macron die mythische Figur der Kassandra, deren Weissagung über den Untergang Trojas von den Bewohnern in den Wind geschlagen wurde, mit dem verführerischen Gesang der Sirenen, denen Odysseus laut Mythos nur entkam, indem er sich vorher an den Schiffsmast binden ließ.

Philippe: Frankreich muss repariert werden

Premierminister Edouard Philippe betonte, Frankreich müsse „repariert“ werden. „Das Land braucht einen Wandel, und die Franzosen wissen das.“ Macron hatte kürzlich gesagt, die Franzosen würden Reformen „verabscheuen“.

Macron vor erster großer Bewährungsprobe

Die Regierung nahm heute ihre Arbeit nach der Sommerpause wieder auf. Macron stehen schwierige Wochen bevor: Die Regierung will am Donnerstag den genauen Inhalt der umstrittenen Arbeitsmarktreform vorstellen, die Gewerkschaft CGT und die Bewegung des Linkspolitikers Jean-Luc Melenchon haben für Mitte September zu Protesten aufgerufen. Auch muss der Haushalt mit Milliardeneinsparungen für das kommende Jahr beschlossen werden.

Der im Mai gewählte Macron hat in den vergangenen Wochen massiv an Zustimmung verloren. Laut einer am Wochenende in der Zeitung „Le Journal du Dimanche“ veröffentlichten Umfragen sind nur noch 40 Prozent der Franzosen zufrieden mit der Arbeit des sozialliberalen Staatschefs, 14 Prozentpunkte weniger als noch einen Monat vorher. In anderen Umfragen lag die Zustimmung zuletzt sogar bei nur rund 36 Prozent.

Macron will seine Agenda besser erklären

Der 39-Jährige ist damit unbeliebter als seine Vorgänger Nicolas Sarkozy und Francois Hollande im ersten Sommer nach ihrer Wahl. Macron, der sich nach seinem Wahlsieg nur selten öffentlich äußerte, will den Franzosen jetzt seine Reformpolitik besser erklären - und erwartet das auch von seinen Ministern.