Jubel für „Zauberflöte“ im Theater an der Wien

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Mit der „Zauberflöte“ ist dem Theater an der Wien gestern Abend ein umjubelter Auftakt in die neue Saison gelungen. Unter der musikalischen Leitung von Rene Jacobs und inszeniert von Torsten Fischer wurde das Werk um einige Textstellen gekürzt - und zu einem Aufruf zu Toleranz und Gleichberechtigung der Geschlechter.

Geschlechterkampf in Lederhosen

Pamina ist an diesem Abend eine Freiheitskämpferin, Tamino muss nicht gegen ein Ungeheuer, sondern gegen eine liebeshungrige Frauenmeute kämpfen. Auch Torsten Fischers Papageno ist kein bunt gewandeter Vogelfänger, sondern ein rockig-zynischer Frauenverführer der ländlichen Sorte. In Lederhosen, neongrünen Wanderstutzen und grantig-provokativer Dialektmanier bringt er an diesem Abend das Premierenpublikum zum Lachen.

Fehlende Werktreue

Diese „Zauberflöte“ kann dem Begriff der Werktreue wenig abgewinnen. Fischer und sein Team verzichten etwa zum Zwecke der Stringenz der Handlung auf zahlreiche Text- und Musikstellen, zum Beispiel auf das Duett „Bewahret euch vor Weibertücken“, während anderswo um Soundeinbettungen (Sirenen, Donnergrollen, Vogelzwitschern) und Musik ergänzt wurde. So erklingt am Anfang des zweiten Aktes Mozarts Kantate „Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt“.

Szene aus "Zauberflöte"

Herwig Prammer

Fischer möchte damit, so steht es im Programmheft, den Aufruf zu Religionsfreiheit verstärken. Das soll sich auch im schnörkellosen, aber symbolischen Bühnenbild (Ausstattung: Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos) zeigen – etwa wenn die Handlung vor einer Art Klagemauer stattfindet, auf der in großen Lettern ein Gedicht von Luigi Nono prangt. Verstanden hat diese Anspielung wohl nur, wer akribisch das Programmheft las.

Präzise Rollenzeichnung

Fischer konzentriert sich darauf, handwerklich präzise die Rollen zu zeichnen. So konnte sich das Premierenpublikum über magische Momente freuen, etwa wenn Sarastro und Pamina zarte Blicke tauschen und die Königin der Nacht nicht hysterisch, sondern liebevoll und trauernd agiert.

Die Bravourarien der Königin meistert Nina Minasyan und liefert mit ihrem starken und zugleich warmen Koloratursopran eine sängerische Glanzleitung. Mit bewegendem Spiel überzeugt Sophie Karthäuser als Pamina und Katharina Ruckgaber als Papagena. Sebastian Kohlhepp wirkte als Tamino neben seinen starken Spielpartnern blass und wenig strahlkräftig.

Jubel und kräftiger Beifall

Als Sarastro beeindruckt der Russe Dimitri Iwaschtschenko (Dimitry Ivashchenko) mit einem mächtigen, kernigen und dabei auch noblen Bass. Immer im Mittelpunkt des Geschehens: Daniel Schmutzhard, der bis auf zwei Unsicherheiten als spielfreudiger und natürlicher Papageno brilliert. Der bestens disponierte Arnold Schönberg Chor besticht wie gewohnt mit Freude am Spiel. Jacobs leitet akribisch und sensibel die Akademie für Alte Musik Berlin.

Nach knapp dreieinhalb Stunden feierte das Premierenpublikum sowohl Musiker als auch das Team um Regisseur Torsten Fischer mit Jubelrufen und kräftigem Beifall.