Studie: 170 Tote wegen Dieselautos in Österreich

Die Hersteller haben getrickst, um die Abgaswerte ihrer Dieselautos zu schönen, Tausende Menschen zahlen die Zeche mit dem Leben. In Europa verursacht die dadurch erhöhte Stickoxidbelastung jährlich 5.000 vorzeitige Todesfälle, insgesamt sind es 10.000 allein durch Dieselabgase, wie ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung berechnet hat.

Die Studie erschien im Fachmagazin „Environmental Research Letters“. In Österreich sind insgesamt 170 vorzeitige Todesfälle auf die NOx-Emissionen von Dieselfahrzeugen zurückzuführen, 80 davon gehen auf das Konto der geschönten Abgaswerte, so die Studie.

Experte sieht europäisches Problem

Aufgedeckt wurden die „Umgehungsstrategien“ bezüglich der Abgaswerte zwar erstmals in den USA, eigentlich handle es sich aber vor allem um ein europäisches Problem, so Jens Borken-Kleefeld vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien im Gespräch mit der APA.

Hier seien nämlich mit 100 Millionen Dieselfahrzeugen mehr als doppelt so viele auf den Straßen unterwegs wie im Rest der Welt zusammen. Die Zahl sei in Europa so groß, weil die Politik Diesel-Pkws seit Jahren etwa über steuerliche Begünstigungen des Treibstoffes unterstützt, sagte er: „Hauptargument ist hier meist, dass diese weniger CO2-Emissionen haben als benzinbetriebene Fahrzeuge.“

Auf Laborbetrieb eingestellt

Die Forscher um Jan Eiof Jonson vom Norwegian Meteorological Institute fanden in Modellberechnungen heraus, dass die Dieselfahrzeuge jährlich Grund für 10.000 vorzeitige Todesfälle in Europa sind. Würden die Autos die Abgaslimits nicht nur in den Testlabors, sondern auch im realen Betrieb auf der Straße einhalten, wären es 5.000 - also um die Hälfte weniger.

„Bei den allermeisten Fahrzeugen unterschiedlichster Hersteller sieht man, dass sie vor allem für den Laborbetrieb abgestimmt sind und außerhalb die Emissionsreinigung zurückgefahren wird“, so Borken-Kleefeld. Selbst bei geringer Geschwindigkeit und Beschleunigung wäre der NOx-Ausstoß auf der Straße vier- bis siebenmal höher als beim identen Prüfzyklus in Labors.

Italien am stärksten betroffen

„Das Ganze passiert zudem jährlich, solange diese Fahrzeuge im Einsatz sind, und das ist sicherlich zehn bis 15 Jahre lang der Fall“, sagte der Forscher. Am stärksten betroffen ist in diesem Zusammenhang Italien, das 1.250 vorzeitige Todesfälle jährlich durch die erhöhte Stickoxidbelastung verzeichnen muss, gefolgt von Deutschland (960) und Frankreich (680).

Stickstoffoxide schädigen die Lunge, führen zu Bronchitis und tragen entscheidend zur Entstehung von Feinstaub sowie bodennahem Ozon bei, das ein starkes Reizmittel für die Atemwege ist. Sie erhöhen das Risiko zum Beispiel für Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs.