Offizier Petrow, der Atomkrieg verhinderte, ist tot

Der sowjetische Oberstleutnant Stanislaw Petrow hat in einer dramatischen Nacht im Jahr 1983 durch Besonnenheit einen Atomkrieg verhindert. Als 77-jähriger Pensionist ist er am 19. Mai im Moskauer Vorort Frjasino gestorben. Bekannt wurde die Todesnachricht erst im September durch einen Freund Petrows in Deutschland, den Unternehmer Karl Schumacher aus Oberhausen. „Er hat die Welt gerettet“, sagte Schumacher gestern der dpa. „Mein Anliegen war immer, dass die Öffentlichkeit von der Leistung des Stanislaw Petrow erfährt.“

Bildschirm zeigte Abschuss an

Der Offizier hatte in der Nacht auf den 26. September 1983 Dienst im sowjetischen Frühwarnsystem „Oko“ (Auge), installiert etwa 100 Kilometer südlich von Moskau. Nur wenige Wochen zuvor hatte die Sowjetunion im Fernen Osten eine südkoreanische Boeing B747 abgeschossen, die sich auf sowjetisches Gebiet verirrt hatte. Der Zwischenfall kostete 269 Menschen das Leben.

In der Nachtschicht zeigten Petrows Bildschirme plötzlich den Abschuss von US-Interkontinentalraketen an, offenbar den Beginn eines Nuklearangriffs auf die Sowjetunion. Aufgabe des Offiziers wäre gewesen, die Führung zu alarmieren, um den Gegenschlag auszulösen.

Auf eigene Faust gehandelt

Doch dem studierten Ingenieur, der die Anlage mit konstruiert hatte, kam der Computeralarm merkwürdig vor. Es schien ihm unlogisch, dass der Angriff nur von einer US-Basis und nur mit wenigen Raketen erfolgen sollte. Der Oberstleutnant beschloss auf eigene Faust, von einem Fehlalarm auszugehen - und sollte damit recht behalten. Wahrscheinlich hatte der sowjetische Frühwarnsatellit einen Sonnenstrahl, reflektiert durch eine hohe Wolke, als Raketenstart gedeutet.

Bekannt wurde Petrows Heldentat erst ein Jahrzehnt später. Er wurde dafür 2006 bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York ausgezeichnet, erhielt 2012 den deutschen Medienpreis und 2013 den Dresden-Preis.