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Hackermarathon in St. Pölten

Die Digitalisierung hat Einzug gehalten in Österreichs Kulturinstitutionen - ihr volles Potenzial wird aber längst noch nicht ausgeschöpft. An der Fachhochschule (FH) St. Pölten haben sich vor Kurzem 20 Expertinnen und Experten aus Kunst, Wissenschaft und Technik zu einem „Hackathon“ getroffen, bei dem an der digitalen Zukunft von Museen getüftelt wurde.

Der Begriff „Hackathon“ ist schnell erklärt: Das Wort ist eine Verschmelzung von „hacken“, dem Arbeiten mit Daten, und „Marathon“, was auf die Dauer und Intensität der Veranstaltung hinweist. „Drei Tage lang wurden Teilnehmer von Mentoren und einer Moderation begleitet, um wissenschaftlichen Fragen nachzugehen, um Apps zu entwerfen, um das kulturelle Erbe einer breiteren Masse näherzubringen oder der Forschung neue Entdeckungen zu ermöglichen“, so Projektleiterin Sylvia Petrovic-Majer gegenüber ORF.at.

Ein bunter Mix aus Informatikern und Geisteswissenschaftlern, Mitarbeitern aus Kulturinstitutionen und Physikern lieferte eine spannende Vorschau darauf, wohin der Trend in Sachen digitaler Aufbereitung von Kunst geht.

Speicherplatz für die menschliche Kreativität

Während einige Museen wie das Wiener MUMOK und das Kunsthistorische Museum Wien bereits kostenlose Apps für laufende Ausstellungen mit zusätzlichen Infos zur Verfügung stellen, gingen manche der Gruppen beim „Hackathon“ einen Schritt weiter. Eines der vorgestellten Projekte ist Glamory, eine App, die es möglich machen soll, einen Speicherplatz für jegliche Form menschlicher Kreativität zu schaffen.

Teilnehmer des Kulturhackathon 2017

Sylvia Petrovic-Majer

In Kleingruppen wurde an der FH St. Pölten an neuen Ideen getüftelt

In der Praxis funktioniert die App wie folgt: Beim Besuch einer öffentliche Kulturinstitution, beispielsweise eines Museums, werden Informationen bereitgestellt, die man als Nutzer der App auf seinem Mobiltelefon in einem eigenen „Raum“ speichern kann. Zusätzlich lässt sich auch eine virtuelle Version des Kunstwerkes in denselben Raum dazu speichern. So ist es für jeden Einzelnen möglich, individuelle „Memoryrooms“ mit Bildern, Videos, Musik, Hintergrundinformationen und eigenen Gedanken anzulegen und so sein eigenes, digitales Museum stets in der Hosentasche bei sich zu tragen.

Von Auge zu Ohr

Die Kombination von visuell und auditiv in einer Ausstellungs-App ist keine neue Erfindung. Die iOS-App „Eye to Ear - Gallery of Audible Images“ vereint Sounddesign, verbale Bildbeschreibungen und Interaktion. So schafft sie ein Kunsterlebnis, das Exponate auf eine unübliche Weise vermittelt.

Die App ermöglicht einerseits blinden und sehbehinderten Menschen eine verstärkte Teilhabe am kulturellen Geschehen, schafft aber auch für Menschen ohne Sehbehinderung einen neuen Zugang zu Malereien, Zeichnungen und Fotografien. Dabei zeigt sich, dass Sprache und Soundkulisse ein deutlich breiteres Spektrum an der Schwelle zwischen Kognition und Intuition eröffnen, als es Beschreibungen alleine vermögen.

Eine weitere Idee, die im Rahmen des „Kulturhackathon“ entstand, ist eine App rund um den digitalen Begleiter Kulturkontext Niederösterreich (KuKoNö), der dabei hilft, Kunstwerke, Museen und Ausstellungsorte in der Umgebung des jeweiligen Standortes zu lokalisieren und so die Kulturinstitutionen Niederösterreichs kennenzulernen. Hierbei können verschiedene Themen, Epochen und Medien gefiltert sowie eigene Touren berechnet werden.

Unterstützung durch Mentoren

Um die Teilnehmer des „Hackathon“ während ihrer Arbeit mit ihrem Know-how zu unterstützen, fungierten Mitarbeiter der Partnerinstitutionen als Mentoren vor Ort. Eine von ihnen – nebenbei auch die einzige Frau in dieser Funktion – war Kerstin Blumenstein, selbst Mitarbeiterin im Bereich Forschung im Department Medien und Digitale Technologien an der FH St. Pölten.

Teilnehmer des Kulturhackathon 2017

Sylvia Petrovic-Majer

Konzentriertes Arbeiten vor der Präsentation

Ihr Ziel bei der Unterstützung der Gruppen erklärt Blumenstein so: „Wichtig war, dass sich die Teilnehmer ausleben konnten und in den Bereichen unterstützt wurden, wo sie Unterstützung benötigt haben.“ Für die Teilnahme selbst gab es keine Grundvoraussetzungen, keine nötige Ausbildung oder technische Vorkenntnisse.

Nächster „Kulturhackathon“ bereits in Planung

Die Idee, einen solchen „Kulturhackathon“ in Österreich zu veranstalten, trage sie bereits seit 2013 mit sich herum, so Projektleiterin Petrovic-Majer, als das Netzwerk OpenGLAM.at (kurz für Galleries, Libraries, Archives, Museums; Anm.) ins Leben gerufen wurde. „Damals war das Bewusstsein zu Open Data in den Institutionen rund um das kulturelle Erbe noch ein ganz anderes und es hat Zeit gebraucht, das Bewusstsein hierfür reifen zu lassen“, so Petrovic-Majer. Mit Unterstützung des Landes Niederösterreich, der Stadt und der FH St. Pölten konnte das Projekt heuer schließlich umgesetzt werden. Der erste „Kulturhackathon“ hat jedenfalls gezeigt, dass die ausgereifte Umsetzung von Projekten schon in sehr kurzer Zeit möglich ist. Das nächste Treffen soll in etwa 15 Monaten stattfinden.

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