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Trauerminute im Weißen Haus

Nach den tödlichen Schüssen auf Besucher eines Open-Air-Konzerts in Las Vegas hält die US-Regierung eine Debatte über schärfere Waffengesetze für verfrüht. „Es gibt eine Zeit und einen Ort für eine politische Debatte, aber jetzt ist die Zeit, um als Land zusammenzustehen“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, am Montag.

Eine politische Diskussion zu führen, „bevor wir nicht alle Fakten kennen“ und das Tatmotiv ermittelt sei, wäre „voreilig“. Zunächst gelte es laut Huckabee Sanders zudem, Überlebende zu trösten und um die Opfer zu trauern. Allerdings könnten ihr zufolge Vertreter beider Parteien in den kommenden Tagen über das Waffenrecht sprechen. Man müsse Maßnahmen prüfen, die tatsächlich zu einem Rückgang der Waffengewalt führen würden.

Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump warnte in diesem Zusammenhang aber vor Versuchen, „Gesetze zu schaffen“, die solche Tragödien „nicht verhindern“ könnten. Trump hatte in der Vergangenheit zudem mehrmals deutlich gemacht, dass er ein Befürworter des zweiten Verfassungszusatzes ist. Darin ist das grundsätzliche Recht auf den Besitz von Schusswaffen für US-Bürger festgeschrieben.

„Tat des reinen Bösen“

Nach dem blutigsten Schusswaffenangriff in der jüngeren US-Geschichte rief Trump die USA nun zur Geschlossenheit auf. „In Momenten der Tragödie und des Horrors kommt Amerika als Einheit zusammen. Das hat es immer getan“, sagte Trump in einer Ansprache im Weißen Haus. „Unsere Einheit kann nicht vom Bösen erschüttert werden, unsere Bande können nicht von Gewalt zerrissen werden“, fügte er hinzu.

Trump bezeichnete den Gewaltakt als „Tat des reinen Bösen“. Der US-Präsident kündigte an, dass er am Mittwoch nach Las Vegas reisen werde, um unter anderem mit Familien der Opfer zu sprechen. Er dankte der Polizei in Las Vegas und anderen Rettungskräften dafür, dass sie durch ihren mutigen Einsatz „die Leben von so vielen gerettet“ hätten. Auch dass der Täter so schnell aufgespürt worden sei, „ist ein Wunder und hat den weiteren Verlust von Menschenleben verhindert“.

Donald Trump, Melania Trump, Mike Pence und Karen Pence

APA/AFP/Saul Loeb

Melania und Donald Trump zusammen mit Mike Pence und dessen Ehefrau Karen bei einer Trauerminute im Weißen Haus

Im Rahmen einer Schweigeminute gedachte Trump mit seiner Frau Melania, Vizepräsident Mike Pence und dessen Frau Karen später im Garten des Weißen Hauses dann erneut der Opfer der Schüsse von Las Vegas.

„Dürfen nicht taub sein“

„Wir dürfen nicht taub sein bei solchen Massakern, die so viele Leben in so kurzer Zeit auslöschen können“, teilte am Montag die demokratische Senatorin des Bundesstaats Kalifornien, Dianne Feinstein mit. „Es sollte jeden Amerikaner schockieren, dass jedes Individuum mit leichtem Zugang zu Waffen und Munition, solche Verwüstungen auslösen kann“, hieß es weiter. Feinstein rief zum „tiefen Nachdenken“ über die Umstände auf und forderte, Konsequenzen zu ziehen.

Auch weitere Demokraten forderten härtere Waffengesetze. Elizabeth Warren, Senatorin des Bundesstaats Massachusetts, betonte: „Gedanken und Gebete sind nicht genug.“ Tragödien wie in Las Vegas seien viel zu oft passiert. „Wir brauchen eine Debatte, wie die Waffengewalt zu stoppen ist.“ Trotz mehrerer Amokläufe an Schulen und Universitäten gelang es Trumps Vorgänger Barack Obama nicht, gegen den Widerstand der Republikaner schärfere Waffengesetze durchzusetzen.

Steigende Aktienkurse

Die Gewalttat ließ die Aktien von Waffenherstellern steigen. Die Papiere von Sturm, Ruger & Co. und American Outdoor Brands - dem Mutterkonzern von Smith & Wesson - legten zwischenzeitlich um fast vier Prozent zu. Dass Waffenaktien mit Kursgewinnen auf Amokläufe und Attentate reagieren, ist nicht ungewöhnlich. Die blutigen Ereignisse lassen die Nachfrage nach Waffen in den USA oft kurzfristig anziehen, weil verschärfte Waffengesetze als Konsequenz befürchtet werden.

59 Tote, über 500 Verletzte

64-jähriger Stephen Paddock hatte am Sonntagabend (Ortszeit) vom 32. Stockwerk eines Hotels aus das Feuer auf Besucher eines Open-Air-Konzerts in Las Vegas eröffnet und dabei laut US-Medienberichten mindestens 59 Menschen getötet. Mehr als 500 Menschen wurden laut Polizei verletzt. Der Schütze tötete sich schließlich offensichtlich selbst. Bei ihm handelt es sich um einen pensionierten Buchhalter aus der Region.

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