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Ermittler erhoffen sich Aufklärung

Nach dem Massaker in Las Vegas ist die Freundin des Todesschützen von den Philippinen in die USA zurückgekehrt. Marilou Danley sei in Begleitung von FBI-Beamten von den Philippinen in die USA geflogen. Die 62-Jährige sei in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) in Los Angeles angekommen, berichtete die „New York Times“ am späten Dienstagabend.

Die US-Ermittler erhoffen sich von der Australierin Aufklärung über die Motive des 64-jährigen Stephen Paddock, der am Sonntagabend von seinem Hotelzimmer in Las Vegas auf die Besucher eines Country-Festivals geschossen hatte. Für das FBI sei Danley eine „Person von Interesse“, sie gelte nicht zwangsläufig als verdächtig.

Rechtsanwältin Antonette Mangrobang zeigt die Reiseaufzeichnungen der vermissten Marilou Danley

APA/AP/Aaron Favila

Eine Vertreterin der philippinischen Behörden zeigt die Reiseunterlagen von Marilou Danley her

Paddocks Tat ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. Nach Angaben der US-Polizei tötete Paddock mindestens 58. Zuvor war von 59 Toten die Rede gewesen. Die Behörden korrigierten die Opferzahl nach unten, weil zunächst auch der Todesschütze selbst mitgezählt worden war. Die Zahl der Verletzten korrigierte Sheriff Joseph Lombardo am Dienstag mit gut 500 ebenfalls leicht nach unten.

Paddock überwies 100.000 Dollar

Danley war zur Tatzeit nicht in den USA. Australischen Medienberichten zufolge war sie mit Freundinnen im Urlaub auf den Philippinen. Danley sei im September eingereist, bestätigte ein Sprecher der philippinischen Bundespolizei NBI. Eine Überweisung gibt weitere Rätsel auf. Paddock hatte etwa 100.000 Dollar (etwa 85.000 Euro) auf die Philippinen überwiesen. Zunächst lagen keine Angaben vor, wann er das Bankgeschäft erledigte und an wen das Geld konkret ging.

Die vermisste Marilou Danley

Reuters/Las Vegas Metropolitan PD

Marilou Danley

Mit Schützen in Haus gelebt

Die Australierin, die philippinische Wurzeln haben soll, wanderte vor rund 20 Jahren in die USA ein, um im Casino zu arbeiten. In Mesquite, dem Wohnort des 64-jährigen Todesschützen, soll Danley zusammen mit Paddock in einem Haus gelebt haben.

Nach Angaben des FBI gibt es keine Hinweise auf Verbindungen Paddocks zu internationalen Terrorgruppen. Vorstrafen lagen auch nicht vor. Paddock litt vermutlich unter keiner psychischen Erkrankung. Sein Bruder Eric beschrieb den mutmaßlichen Attentäter als friedlichen Menschen, der keine Kontakte zu politischen oder religiösen Organisationen gehabt habe. Ein Bekenntnis der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu der Tat wurde als nicht glaubwürdig eingestuft.

Eckzimmer mit Kameras „gesichert“

Die Ermittler hatten am Montag (Ortszeit) den Tatablauf rekonstruiert. Am Sonntagabend hatte Paddock mit einem Hammer oder Ähnlichem zwei Scheiben seines Zimmers im 32. Stock des Hotels Mandalay Bay in Las Vegas zerbrochen. Paddock hatte sich ein Eckzimmer ausgesucht, um von zwei Fenstern aus schießen zu können.

Frau betrachtet vor einer Polizeiabsperrung das Mandalay Hay Hotel in Las Vegas

Reuters/Lucy Nicholson

An der Fassade des Hotels sind die zwei eingeschlagenen Fenster gut zu erkennen

Dann schoss er mit automatischen Waffen auf Tausende völlig wehrlose Menschen, die sich zu einem Freiluftkonzert eingefunden hatten. Nach Schilderungen von Lombardo schoss der Angreifer durch die Zimmertür auf die Beamten. Einen Hotelsicherheitsmann traf er am Bein.
Als Elitepolizisten kurze Zeit später das Zimmer stürmten, lag Paddock tot auf dem Fußboden, offenbar hatte er sich selbst erschossen.

Um zu beobachten, wann die Polizisten kommen, hatte Paddock Kameras vor seinem Hotelzimmer und im Gang davor installiert sodass er offenbar jeden beobachten konnte, der sich dem Raum näherte. Ermittler fanden neben mehreren Geräten in seinem Zimmer auch eine an einem Servierwagen im Hotelgang montierte Kamera.

Bild zeigt handgeschriebene Notiz auf Tisch

Mehrere Medien veröffentlichten inzwischen Fotos aus dem Inneren von Paddocks Zimmer. Darauf zu sehen waren auf Ständer montierte Sturmgewehre mit Zielfernrohr, Magazine mit Munition und ein Tisch, auf dem offenbar eine handgeschriebene Notiz liegt.

Sheriff Lombardo nahm zu dem Inhalt der Bilder nicht Stellung. Er bestätigte jedoch, dass der Attentäter mindestens eines seiner halbautomatischen Gewehre mit einem „Bumb Stock“ in ein vollautomatisches Maschinengewehr umgebaut hatte - dadurch konnte der 64-Jährige Hunderte von Schüssen pro Minute abfeuern.

Die Tat war offenbar von langer Hand geplant. Das Hotelzimmer bezog Paddock laut US-Medienberichten bereits einige Tage vor der Tat. Von dort aus hatte er eine perfekte Aussicht auf das Festivalgelände auf der anderen Straßenseite. Und er schaffte es, vom Hotelpersonal unbemerkt zahlreiche Schusswaffen in das Zimmer zu bringen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter, einen „einsamen Wolf“, handelte..

Haus von Stephen Paddock im US-Bundesstaat Nevada

APA/AP/Chris Carlson

Das Haus des Schützen, das die Polizei durchsuchte

Insgesamt 47 Schusswaffen sichergestellt

Insgesamt stellte die Exekutive nach jüngsten Angaben im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und in Reno 47 Schusswaffen sicher. Darunter seien automatische Waffen und halbautomatische Gewehre, die illegal zu Maschinengewehren umgebaut worden seien. Die Schusswaffen seien in Utah, Kalifornien, Texas und Nevada gekauft worden. Außerdem wurden Tausende Schuss Munition und Sprengstoff entdeckt.

Paddock habe sich allen nötigen Überprüfungen unterzogen, um Waffen erwerben zu dürfen, sagte der Besitzer der örtlichen Waffenhandlung Guns & Guitars. Er habe nie den Eindruck erweckt, dass er in irgendeiner Form labil gewesen sei.

Trump: „Krank“ und „wahnsinnig“

Am Mittwoch will US-Präsident Donald Trump nach Las Vegas reisen. Er will sich in der Glücksspielmetropole im Bundesstaat Nevada mit Vertretern der Sicherheitskräfte und Angehörigen der Opfer treffen. Auf die Frage eines Journalisten, ob er das Bekenntnis des IS für echt halte, sagte Trump am Dienstag an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One: „Ich habe keine Ahnung.“

Trauernde in Las Vegas

APA/AFP/Robyn Beck

Trauernde auf dem Gelände, auf dem das Konzert stattfand

Im Gegensatz zu Trump gibt es vonseiten der Ermittler bisher auch keine Äußerungen zum Geisteszustand des Schützen. Trump beschrieb Paddock am Dienstag als „krank“ und „wahnsinnig“. Der Täter habe „viele Probleme“ gehabt und sei ein „sehr, sehr krankes Individuum“ gewesen.

Aldean und Lopez sagen Konzerte ab

Nach dem Massaker während seines Konzerts sagte der Country-Sänger Jason Aldean seine Auftritte in dieser Woche ab. Aus Respekt vor den Opfern, deren Angehörigen und seinen Fans, sei das die richtige Entscheidung, so Aldean am Dienstag (Ortszeit) in einem Statement auf seiner Website. Es sei eine sehr emotionale Zeit für alle Beteiligten. Er und seine Band würden sich etwas Zeit nehmen, um die Opfer zu betrauern und nahe bei Familien und Freunden zu sein. Auch Popsängerin Jennifer Lopez verschob drei Konzerte in Las Vegas.

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