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Vom Erdölmarkt bis zur Rüstungsindustrie

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag im Kreml Saudi-Arabiens König Salman bin Abdelasis Al Saud empfangen. Der Besuch war der erste eines Herrschers aus der Golfmonarchie überhaupt. Moskau will eine führende Rolle im Nahen Osten übernehmen und hat mit Riad nun einen neuen Partner dafür.

Putin bezeichnete das Treffen als „gewichtiges Ereignis“, Kommentatoren betonten die Folgen des neuen Pakts für die Geopolitik. Salman war mit einer laut internationalen Medienberichten 1.000 Personen umfassenden Delegation nach Moskau gereist, während des laut Plan viertägigen Besuchs sollen Kooperationsabkommen im Wert von umgerechnet mehreren Milliarden Euro unterschrieben werden, hieß es.

US-Waffenkunde kauft in Moskau ein

Gleich eines der ersten davon ist laut einem Bericht aus Saudi-Arabien ein Rüstungsabkommen - bemerkenswert insofern, als Riad bisher bei Waffen ein Großkunde der USA war. Eine entsprechende Absichtserklärung sei am Donnerstag unterzeichnet worden, berichteten die staatlichen Saudi Arabian Military Industries (SAMI).

Die Vereinbarung mit dem russischen Rüstungskonzern Rosoboronexport sehe unter anderem die Anschaffung des Flugabwehrsystems S-400, der Panzerabwehrrakete „Kornet“ und von Raketenwerfern des Typs TOS-1A vor. Zum Volumen der Verträge wurden keine Angaben gemacht. Russland kann Investitionen wegen des niedrigen Exportpreises für Rohöl und der Sanktionen infolge des Ukraine-Konflikts derzeit gut gebrauchen.

„Neue Horizonte“

König Salman und Putin hätten ein „freundliches und substanzielles“ Gespräch geführt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow vor der Presse. Sie hätten auch ihren Willen bekundet, künftig „auf allen Ebenen“ partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Lawrows saudi-arabischer Amtskollege Adel al-Dschubeir erklärte, es hätten sich in den Beziehungen beider Länder „neue Horizonte“, die man zuvor nicht für möglich gehalten habe, aufgetan. Nicht in allen Belangen sind Riad und Moskau bisher einer Meinung: Im Syrien-Konflikt etwa unterstützen sie unterschiedliche Parteien.

Lawrow erklärte weiters, Putin und Salman seien sich darin einig, dass es für die Konflikte im Nahen Osten friedliche Lösungen geben müsse. Dasselbe gelte beim Kampf gegen den Terrorismus. „Die Beziehungen zwischen Russland und Saudi-Arabien sind an einem historischen Moment angekommen“, sagte Dschubeir. Der Besuch König Salmans ist der erste eines saudi-arabischen Monarchen im Kreml überhaupt.

Kontrolle über 25 Prozent der Erdölförderung

Die Partnerschaft sei auch positiv für die Weltwirtschaft, sagte der saudi-arabische König. Die Golfmonarchie und Russland produzieren gemeinsam ein Viertel des weltweit gehandelten Rohöls. Beide Länder wollen bis in das kommende Jahr hinein Förderbeschränkungen aufrechterhalten, um den Erdölpreis zu stabilisieren.

Mit Blick auf Moskaus Rolle im Syrien-Krieg werteten Experten die Gespräche als klare Untermauerung des russischen Anspruch als Macht im Nahen Osten. Außerdem kooperiert Saudi-Arabien bisher mit den USA, wendet sich nun aber auch Russland zu. Der wachsende Einfluss Moskaus in der arabischen Welt lasse Riad nach alternativen Partnern suchen, hieß es.

Der Rüstungsexperte Juri Barmin brachte den Besuch Salmans auch mit einem sinkenden Engagement der USA in Verbindung. „Die Amerikaner haben ihren Rückzug aus dem Nahen Osten begonnen, und das ist spürbar“, sagte er der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Im Gegenzug gewinne der Iran an Einfluss in der Region. „Die Führung in Saudi-Arabien ist sich im Klaren, dass niemand außer Russland ihr helfen kann, den Einfluss des Iran auszugleichen.“ Der saudische König warnte den Iran vor einer Einmischung in Konflikte im Nahen Osten. Die Führung in Teheran dürfe die Lage etwa im Bürgerkriegsland Jemen nicht destabilisieren, sagte Salman.

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