Kern und Strache angriffig bei TV-Duell

Beim ORF-TV-Duell zwischen dem SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzler Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war der Ton wenige Tage vor der Nationalratswahl auf beiden Seiten schärfer als zuletzt. Bei Themen wie Arbeit und Migration verdeutlichten die beiden Parteispitzen ihre Positionen.

Gleich zu Beginn stand die Facebook-Affäre rund um den ehemaligen SPÖ-Berater Tal Silberstein im Fokus. Darauf angesprochen betonte Kern, er sei „im höchsten Maße glaubwürdig“, Dirty Campaigning lehne er „massiv“ ab. Es gebe auch „null Toleranz für Antisemitismus“. Strache entgegnete, es sei ärgerlich, „dass man so tut, als hätte man mit den Entwicklungen nichts am Hut“.

Arbeitsmarkt und Visegrad-Staaten

Befragt zum Arbeitsmarkt, untermauerten die Parteichefs ihre Positionen. Strache fordert im Hinblick auf die Entsenderichtlinie eine „sektorale Schließung des Arbeitsmarktes“. Man müsse heimischen Arbeitslosen eine Perspektive bieten und wäre auch bereit, sich notfalls gerichtlich mit der EU auseinanderzusetzen. Kern will Bündnisse auf europäischer Ebene und verweist auf „80.000 zusätzliche Jobs“ seit dem letzten Sommer.

Auch beim Umgang mit Flüchtlingen zeigten sich Differenzen: Der vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban aufgestellte Zaun hätte für Kern zwar „Flüchtlingsströme nach Österreich reduziert“, jetzt wäre aber die Frage, wie man die Flüchtlinge verteilt. Strache wiederum will sich „schon aus der historischen Tradition“ heraus den Visegrad-Staaten, erwähnt wurden vor allem Tschechien und Polen, annähern. Kern sieht viele Themen nur mit Hilfe der westlichen Staaten gelöst.

„Haben klar bewiesen, dass uns Welten trennen“

Nach einem angriffigen Duell, in dem Kanzler Kern mehrfach vor einer schwarz-blauen Koalition warnte, war auch eine mögliche rot-blaue Koalition Thema der Diskussion. Angesprochen darauf, ob Kern eine solche ausschließe, sagte dieser: „Wir haben heute klar bewiesen, dass uns Welten trennen.“ Strache wiederholte seine Position, dass die SPÖ zuerst den Parteitagsbeschluss, wonach die SPÖ keine Koalition mit der FPÖ eingehen solle, ändern müsse, sonst wären keine Verhandlungen möglich.