Ausstellung zu k. u. k. Fotopionierin Marianne Strobl

Sie hat Dutzende Arbeiter dirigiert, um gewaltige Baustellen zu dokumentieren, für das Heeresministerium Fuhrwerke abgelichtet, Aufträge von Museen, Institutionen und Privatpersonen übernommen: Der 1865 geborenen Wiener Berufsfotografin Marianne Strobl widmet das Wiener Photoinstitut Bonartes seit heute eine erste Ausstellung, die die Arbeit einer Pionierin zeigt – und zugleich das Bild eines noch jungen Berufszweigs.

Strobl, die sich als „Industrie-Photograph“ bezeichnete, war offenbar die erste Person in Österreich-Ungarn, die sich ausschließlich auf diesen Bereich spezialisierte – und ohnehin eine der ersten Frauen in diesem Beruf.

Eisdom vom rechten Gang

Photoinstitut Bonartes, Wien

„Eisdom vom rechten Gang“ (1901)

Von Berufskolleginnen sind vor allem Porträtfotos bekannt, sie hingegen arbeitete hauptsächlich außerhalb ihres Ateliers beim Prater und war dabei stets abenteuerlustig. So kroch sie etwa mitsamt ihrer Blitzlichtausrüstung durch enge Durchlässe, um die Erforschung des Ötscherhöhlensystems zu dokumentieren.

Wiederentdeckt dank digitaler Katalogisierung

Noch vor wenigen Jahren wäre es nicht möglich gewesen, die Fotografien von Strobl als zusammenhängendes Werk bemerkenswerter Bandbreite zu erkennen. Erst die digitale Katalogisierung der Fotosammlungen von Museum für angewandte Kunst (MAK), Wien Museum, Nationalbibliothek und Albertina erlaubt nun eine Zuordnung von auf mehrere Sammlungen verstreuten Fotos nicht nur nach Motiv und Entstehungsdatum, sondern auch nach Urheberschaft.

„Derart viele unterschiedliche Arbeiten einer einzigen Person ausfindig zu machen, die zuvor kaum jemandem bekannt war, ist tatsächlich rar“, schreibt die Kuratorin der Ausstellung, Ulrike Matzer. In den Räumen des Photoinstituts in der Wiener Seilerstätte sind Teile ganz unterschiedlicher Fotoserien ausgestellt, die in den Jahren 1894 bis 1914 entstanden.

Immer wieder wird Strobl als Dokumentaristin städtischer Infrastruktur beauftragt, für die Gemeinde Wien fotografierte sie über mehrere Jahre hinweg den Bau der Gasometer in Simmering und Liesing.

Hauptberuflich sonntags

Vermutlich fotografierte sie die Großbaustellen etwa des Kanalbaus im 3. Wiener Gemeindebezirk und der Aspernbrücke an Sonntagen, um den Arbeitsprozess nicht aufzuhalten und den Baustaub zu vermeiden. Entsprechend frisch gewaschen wirken die Arbeiterstatisten, sorgsam arrangiert, um Größenverhältnisse zu verdeutlichen.

Mann steht in einem Bad für Arbeiter

Wienbibliothek

„Arbeiterbäder, Gaswerk Wien-Leopoldau“ (1912)

Als Spezialistin für Blitzlichtfotografie nahm sie auch immer wieder Innenräume auf, mit repräsentativem Personal. Strobl fotografierte etwa das 1910 neu errichtete Männerwohnheim in der Wurlitzergasse für die Gemeinde Wien, die Ateliers der Modefirma E. Braun & Co. und den Bau der Herrschaftsvilla des Medienmoguls Victor Silberer auf dem Semmering.

Matzer hat einen umfangreichen Band zur gesamten bisher bekannten Arbeit Strobls herausgegeben, erschienen in der Fotohof edition. Die Ausstellung ist noch bis 26. Jänner 2018 zu sehen.