Weiter Smogschleier über Norditalien

Trockenheit und hohe Temperaturen: Ein Smogschleier hängt derzeit über zahlreichen norditalienischen Städten. Bei sommerlichen Temperaturen bis zu 21 Grad ist die ganze Ebene des Flusses Po seit Tagen in nebelartigen Feinstaub gehüllt.

Die Feinstaubwerte in den Städten liegen wegen des trocken-sonnigen Wetters und für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen deutlich über dem empfohlenen Höchstwert. Verstärkt werden die Probleme, weil kaum Wind weht. Dadurch sei die Pianura Padana, die Poebene, zu einem der Gebiete Europas mit der höchsten Luftverschmutzung aufgerückt, berichteten Experten des wissenschaftlichen Instituts CNR.

Radfahrer mit Schutzmaske im von Smog betroffenen Turin

APA/AP/ANSA/Alessandro Di Marco

„Turin wie Peking“

Die norditalienischen Gemeinden greifen zu Gegenmaßnahmen. Die Stadtverwaltung von Turin hat den Einwohnern geraten, in den Häusern zu bleiben sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Am Mittwoch war in der Großstadt eine Feinstaubkonzentration von 114 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen worden, mehr als doppelt so viel wie der Grenzwert von 50 Mikrogramm. Die Stadtverwaltung verhängte Fahrverbote für Dieselfahrzeuge mit besonders hohen Abgaswerten. „Turin wie Peking“, kommentierten italienische Medien.

Auch in anderen Städten Norditaliens wurden Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge wegen hoher Smogwerte verhängt. Darunter befand sich auch Mailand, wo am Donnerstag eine Feinstaubkonzentration von 90 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen wurde.

Ruf nach mehr Grünflächen

Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti klagte über fehlende Grünflächen in den Städten. In Italien verfüge jeder Stadtbewohner über lediglich 31,1 Quadratmeter Grünfläche pro Kopf. In den Feldern sei in den letzten 15 Jahren jeder dritte Obstbaum verschwunden.

„Das Smogproblem wird sich verschlechtern, wenn wir nicht mit einschneidenden Maßnahmen eingreifen. Man muss jedoch auf gesamtstaatlicher Ebene agieren, denn Luftverschmutzung betrifft nicht nur einzelne Städte“, sagte der italienische Umweltminister Gian Luca Galletti. Vor allem die Poebene sei wegen ihrer Morphologie besonders gefährdet. Die Luftverschmutzung sei nicht nur auf den Privatverkehr, sondern auch auf die Industrie und auf veraltete Heizsysteme zurückzuführen.