Griechische Flüchtlingslager völlig überlastet

In und um die Registrierzentren auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis hat sich die Lage der Migranten und Flüchtlinge in den vergangenen Wochen erheblich verschlechtert. Das berichteten heute übereinstimmend humanitäre Organisationen und Lokalpolitiker. „Die Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag“, sagte der Chef der humanitären Organisation Ärzte der Welt (Medecins du Monde), Nikitas Kanakis.

Herbststürme nahen

Nach offiziellen Angaben befinden sich zurzeit auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos knapp 14.500 Migranten und Flüchtlinge. Das sei etwa doppelt so viel, wie die Lager Kapazität hätten. „Die Inseln müssen entlastet werden“, sagte die Regionalgouverneurin, Christiana Kalogirou, dem griechischen Nachrichtensender Skai. Es sei wichtig, bevor die ersten Herbststürme in der Ostägäis kommen, so viele Menschen wie möglich zum griechischen Festland zu bringen, hieß es.

Die EU hatte im Vorjahr mit der Türkei vereinbart, dass alle Migranten, die aus der Türkei zu den Inseln übersetzen und kein Asyl in Griechenland bekommen, in die Türkei zurückgeschickt werden können. Die Bearbeitung der Asylanträge geht jedoch wegen Personalmangels nur mühsam voran. Tausende Migranten harren damit auf den Inseln aus. In und um die Lager komme es aus Frust zu Schlägereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten, berichteten Reporter griechischer Medien aus Lesbos und Samos.

Offener Brief an Tsipras

Gestern forderten Hilfsorganisationen den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in einem offenen Brief auf, Asylsuchende aufs Festland zu lassen, um für Entlastung zu sorgen. „Wir legen Ihnen nahe, dass Sie die anhaltende Eindämmungspolitik, die Flüchtlinge auf den Inseln einzufangen, beenden“, sagte ein Sprecher der 19 Unterzeichner des Briefes.