Krawalle bei umstrittener Wahlwiederholung in Kenia

Die Wiederholung der Präsidentschaftswahl in Kenia ist heute von gewaltsamen Protesten überschattet worden. In den Oppositionshochburgen errichteten Demonstranten Barrikaden auf Straßen und vor Wahllokalen und bewarfen Polizisten mit Steinen. Mindestens ein Demonstrant wurde bei den Zusammenstößen getötet.

Im Gegensatz zur hohen Wahlbeteiligung bei der ersten Wahl im August waren nur wenige Wähler vor den Wahllokalen zu sehen. Die Wahllokale öffneten gegen 6.00 Uhr (5.00 Uhr MESZ) und sollten um 17.00 Uhr Ortszeit schließen.

Menschen flüchten vor Tränengas in einem Vorort Nairobis

APA/AFP/Tony Karumba

Der erneute Urnengang war notwendig geworden, nachdem ein Gericht die Wahl vom August für ungültig erklärt hatte. Bis zuletzt hatten Regierungsgegner versucht, die Wahlwiederholung zu verschieben. Einen Eilantrag von Menschenrechtsaktivisten konnte das Oberste Gericht am Mittwoch nach eigenen Angaben aus formalen Gründen nicht bearbeiten.

Amtsinhaber Uhuru Kenyatta bestand darauf, die Wahl abzuhalten - mit oder ohne Teilnahme des bereits dreimal in Präsidentschaftswahlen unterlegenen Herausforderers Raila Odinga. Odinga hatte seine Kandidatur aus Protest gegen die umstrittene Wahlkommission IEBC vor zwei Wochen zurückgezogen und zum Boykott der Wahl aufgerufen. Seine Anhänger sollten zu Hause bleiben. Viele ignorierten den Aufruf jedoch und versuchten, die Abstimmung in den Wahllokalen zu verhindern.

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Bei der umstrittenen Wiederholung der Präsidentenwahl ist es in einigen Teilen Kenias zu Straßenschlachten und Blockaden von Wahllokalen gekommen.

Einsatz von Tränengas

Gewaltsame Szenen gab es in den Oppositionshochburgen in den Slums von Nairobi und im Westen des Landes. Dabei wurde mindestens ein Demonstrant im westlichen Kisumu erschossen, wie Polizei und Rettungskräfte mitteilten. Mittels Tränengas versuchten die Sicherheitskräfte, die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Viele Wahllokale geschlossen

Die große Mehrheit der Wahllokale in den Oppositionshochburgen blieb geschlossen, nachdem Wahlmaterial nicht geliefert werden konnte und Wahlhelfer um ihre Sicherheit fürchteten. Ein Wahlhelfer in der drittgrößten Stadt Kisumu sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe die Nacht im Wahllokal verbracht, um auf dem Nachhauseweg „keine Kugel abzubekommen“.

Zwar waren vor Wahllokalen in den Kenyatta-Hochburgen mehr Menschen zu sehen, die Wahlbeteiligung schien aber auch dort weitaus geringer als bei der ersten Runde im August. Damals lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent.