Paradise-Papers: US-Handelsminister Ross im Fokus

Nach den Panama-Papers gibt es eine weitere Veröffentlichung zu Daten über Steuerschlupflöcher und über womöglich brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten. Laut dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ), an dem in Österreich der ORF und der „Falter“ beteiligt sind, geht es um Millionen Dokumente zu Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur.

In den Fokus der neuen Enthüllungen rückt unter anderem auch US-Handelsminister Wilbur Ross. Der Milliardär hat mit seinem Amtsantritt im Jänner 80 Firmenbeteiligungen abgestoßen. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, wie er sagt. Ein paar hat er aber behalten. Darunter vier Briefkastenfirmen. Und die führen am Ende einer langen Kette in das direkte Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Über Briefkasten an Reederei beteiligt

Ross und andere Investoren halten den Rechercheergebnissen zufolge über ein kompliziertes Konstrukt aus Briefkastenfirmen und Fonds auf den Cayman Islands 31,5 Prozent an einer Reederei namens Navigator. Diese vermietet Schiffe zum Transport von Flüssiggas unter anderem an den russischen Konzern Sibur. Dieser Konzern wiederum gehört unter anderem Putins Schwiegersohn Kirill Shamalow, dem Milliardär Leonid Mikhelson - und dem unter US-Sanktionen stehenden Milliardär Gennady Timchenko.

Die Firma Sibur selbst steht zwar nicht auf der US-Sanktionsliste: Nun steht aber im Raum, dass der US-Handelsminister an einem Unternehmen beteiligt ist, das von Geschäften mit dem Umfeld Putins profitiert.

Auch Queen in Steueroasen aktiv

Dem „Guardian“ zufolge offenbaren die Paradise-Papers unterdessen auch Einblick in die Finanzgeschäfte der Queen. Die britische Monarchin habe demnach Millionen aus ihrem Privatvermögen in einem auf den Cayman Islands sitzenden Investmentfonds geparkt. In fragwürdige Deals sei auch ein enger Vertrauter des kanadischen Premiers Justin Trudeau verstrickt sein. „Spiegel“-Angaben zufolge seien Kanada durch ein kompliziertes Konstrukt von Briefkastenfirmen womöglich Millionen Dollar an Steuern entgangen.