Bewaffnete stürmen TV-Sender in Kabul

Bewaffnete haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul den großen privaten TV-Sender Shamshad angegriffen. Laut dem Reporter Faisal Saland, der durch einen Hinterausgang fliehen konnte, töteten drei Angreifer den Wachmann und drangen dann ins Gebäude ein. „Sie begannen, Granaten abzufeuern und zu schießen“, sagte er heute.

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In dem Gebäude hielten sich viele TV-Mitarbeiter auf.

Ein Kameramann des Senders, Nusrat Dewguli, sagte: „Männer mit Waffen sind in unser Gebäude eingedrungen. Wir können immer noch Schüsse hören.“ Er sei mit vielen Kollegen aus dem zweiten Stock des Hauses auf das Gelände des benachbarten Olympiastadions entkommen.

IS reklamierte Angriff für sich

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. In einer Meldung über das IS-Sprachrohr Amak hieß es, Kämpfer des IS hätten etwa 20 Menschen getötet, darunter Schutzpersonal und Angestellte des Senders. Der Sprecher des Innenministeriums, Najib Danish, bestätigte bisher zwei Tote - eine weibliche Angestellte des Senders und ein Wächter seien tot.

Shamshad TV sendet landesweit in paschtunischer Sprache. Wegen des Angriffs wurde die laufende Sendung abgebrochen. Die radikalislamischen Taliban ließen schon kurz nach Beginn des Angriffs verlauten, dass sie nicht hinter dem Angriff steckten. Im Jänner 2016 hatten sie einen Bus des Senders Tolo TV angegriffen und mindestens sieben Menschen getötet.

UNO: Mehr Angriffe auf Moscheen in Afghanistan

Außerdem zeigte sich die UNO besorgt über einen „verstörenden Anstieg“ von Angriffen auf Moscheen, religiöse Führer und Betende in Afghanistan. Einem Bericht zufolge wurden seit Jänner des vergangenen Jahres 51 Angriffe auf sunnitische und schiitische Moscheen und Schreine gezählt. Dabei seien 273 Menschen getötet und 577 verletzt worden.

Das seien fast doppelt so viele Opfer gewesen, wie bei Anschlägen dieser Art in den Jahren 2009 bis 2015 zusammengenommen, schreiben die Autoren.

Schiiten Mehrheit der Opfer

Die große Mehrheit aller Opfer seien Schiiten, die bei Angriffen des IS getötet oder verletzt worden seien, heißt es in dem Bericht weiter. Seit Jänner 2016 haben die Vereinten Nationen bei zwölf Angriffen auf schiitische Moscheen 230 Tote und 459 Verletzte registriert. Viele Attentate zielten offenbar auf Feiertage oder Freitagsgebete, wenn die Moscheen voll sind.

Die UNO drängt alle Beteiligten am Konflikt, Zivilisten zu schützen - insbesondere „Orte des Gebets, Betende und religiöse Führer“, die einen „besonderen Schutzstatus“ genießen.