Missbrauch: Leiter eines Budapester Theaters entlassen

Nach Missbrauchsvorwürfen von Schauspielern und Tänzern hat das Budapester Operettentheater seinen künstlerischen Leiter Miklos Gabor Kerenyi mit sofortiger Wirkung entlassen.

Zugleich kündigte das Musikspielhaus eine interne Untersuchung an und rief die Opfer der mutmaßlichen Übergriffe dazu auf, sich zu melden, hieß es in einer Stellungnahme, die heute in Budapest verbreitet wurde. Kerenyi (66) bestreitet die Vorwürfe.

In den vergangenen Tagen hatten sich mehrere Schauspieler und Tänzer gemeldet, die in jeweils sehr jungem Alter unter dem Direktor und Regisseur gearbeitet hatten. Wie sie berichteten, mussten sie nach kleineren Verfehlungen - etwa dem verspäteten Erscheinen bei einer Probe - zu ihm ins Direktionszimmer kommen, wo Kerenyi sie angewiesen haben soll, ihr Gesäß zu entblößen. Danach soll er sie heftig geschlagen haben. 

Zweiter prominente Fall in Ungarn

Eines der mutmaßlichen Opfer, der heute auf Teneriffa lebende Schauspieler Akos Maros, hatte sich gestern Abend im privaten TV-Sender ATV aus der Anonymität gewagt und die Vorwürfe erneuert.

Kerenyi ist in Ungarn der zweite prominente Fall, seitdem Missbrauchsopfer angesichts der Enthüllungen um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein weltweit unter dem Hashtag „#metoo“ ihr Schweigen brechen. Im Vormonat hatte der Regisseur und Oberspielleiter des Budapester Lustspieltheaters, Laszlo Marton, alle Funktionen niedergelegt, nachdem ihm mehrere Schauspielerinnen sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten.