Van der Bellen würdigt Wiener IWM

Mit einem großen Festakt hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen den 35. Geburtstag des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in der Wiener Hofburg gewürdigt.

Das Institut habe seit der Polen-Krise im Jahr 1982 die Entwicklung Europas und den Fall des Eisenen Vorhangs nicht nur kritisch begleitet, sondern entscheidend mitgestaltet, lobte Van der Bellen gestern Abend die Initiative des damals aus Polen emigrierten jungen Philosophen Krzysztof Michalski.

Van der Bellen erinnerte auch an zahlreiche Jungpolitiker, die am IWM ihre ersten internationalen Auftritte absolvierten, darunter Joschka Fischer, Angela Merkel „und auch ein gewisser Viktor Orban, damals noch ein Mitvorsitzender der europäischen Liberalen“.

Van der Bellen lobte vor zahlreichen prominenten Gästen, darunter Altbundespräsident Heinz Fischer, Karl Schwarzenberg, Finanzinvestor Geroge Soros und zahlreiche internationale Politiker, die Ausrichtung des Instituts, das immer eine gesamtheitlich europäische Perspektive eingneommen und prominente internationale Größen aus Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften nach Wien gebracht habe. Van der Bellen erinnerte dabei an legendäre Auftritte von Jürgen Habermas, Hans Georg Gadamer und Jacques Derrida.

Bild vom Festakt in der Hofburg zur Feier des IWM

IWM / Joseph Krpelan

Neue Schwerpunkte in der Zukunft

IWM-Rektorin Shalini Randeria skizzierte in ihrer Dankesrede die Ausweitung des Programms des Instituts und präsentierte neue Studienschwerpunkte, darunter eine Auseinandersetzung damit, wie Wohlstand und auch Reichtum mittlerweile in unterschiedlichen Regionen der Welt definiert werden. Die Fragen von Verteilungsgerechtigkeit müsste man aus neuen Gesichtspunkten anvisieren.

Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt jener Errungenschaften, die Europa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ausmachten, hielt der kanadische Historiker und Rektor der Central European University (CEU), Michael Ignatieff. Die heutigen Angriffe auf demokratische und humanitäre Selbstverständlichkeiten zielten auf den Geist und die Verantwortungsethik jedes einzelnen Menschen, die man sich nicht rauben lassen dürfe, so der Rektor jener Universität, die der einstige IWM-Fellow Orban aus seinem Land vertreiben will.

Wissenschaft sei nicht zuletzt eine Verteidigung des Ortes der Seele und zentraler Werte unseres Menschseins, so Ignatieff.