Themenüberblick

Tradition, Kommunismus, Globalisierung

100 Jahre nach der Oktoberrevolution sucht Russland seine Identität. Eine Ausstellung des Österreichischen Kulturforums im Museum Zentrum Krasnojarsk mit Künstlern aus - unter anderem - Russland, Österreich und den Niederlanden zeigt Dokumente dieser Spurensuche zwischen Tradition, Kommunismus, Nationalismus und Globalisierung. Besonderes Augenmerk ist auf das Leben im Dorf gerichtet.

The Blue Noses: “Updated Avatars”

The Blue Noses

The Blue Noses: „Updated Avatars“. Nach der Wende wollten die Novosibirsker Künstler endlich Teil der internationalen Kunstwelt werden - nur um zu bemerken, dass die Welt keine internationalen Künstler aus Russland will, sondern „typisch russische“ Kunst. Das ließen sich The Blue Noses nicht zweimal sagen und revoltierten mit falschen Rauschebärten gegen den Kapitalismus.

Das Museum Zentrum von Krasnojarsk mit jungen Besuchern

ORF.at/Simon Hadler

Die Museumsnacht ist die Party des Jahres in Krasnojarsk. Hier liegen Jugendliche im Unterboden des Lenin-Museums und blicken rauf auf die Ausstellung zur Sowjetgeschichte. Sie sind Besucher - und gleichzeitig Teil der Schau.

Vasily Slonov: "Village and Children" (2017)

ORF.at/Simon Hadler

Wasili Slonow: „Village and Children“. Slonow hat ein rurales Arbeitswerkzeug für Kinder erschaffen: den Fahrradpflug. Der Ansatz ist witzig, aber dem Künstler ist es auch ernst: Lustvoll in wichtige Arbeiten eingebunden zu werden, wie (im besten Fall) früher auf dem Land, sei in der Erziehung der Kinder durchaus wünschenswert.

Olya Ivanova: „Village Day“ (2012-2014)

Olya Ivanova

Olja Iwanowa: „Village Day“ (2012-2014). In Russland wird seit jeher der „Dorftag“ gefeiert – heute hat neben der Tradition alter Zeiten, die jahrzehntelang von sowjetischem Revolutionskitsch abgelöst worden war, auch Popmusik Platz. Hier zu sehen: zwei junge Frauen auf dem Weg zur Feiertagsdisco in der Region Vologda.

Where dogs run: "Transcendence index" (2017)

Where dogs run

Where dogs run: „Transcendence index“ (2017). Eine Software untersucht Texte auf das Vorkommen von Vokabeln aus unterschiedlichen Bereichen wie etwa Philosophie und Kunst. Verglichen werden Schriften der Periode 1900 bis 1917 mit solchen seit 2000. Je nach Anzahl der Worte in den unterschiedlichen Kategorien werden Borschtsch-Rezepte adaptiert und automatisiert in zwei Töpfen gekocht. Die Transzendenz von damals schmeckt anders!

Eine frühe Revolutionsflagge aus dem Jahr 1905

ORF.at/Simon Hadler

Eine - sehr frühe - Revolutionsflagge aus dem Jahr 1905

Markus Hanakam & Roswitha Schuller: The Heralds (2017)

Markus Hanakam & Roswitha Schuller

Markus Hanakam & Roswitha Schuller: „The Heralds“ (2017). Die beiden österreichischen Künstler reisten mit einer Großfamilie aus Jakutien durch Nordsibirien und lernten deren spirituelle Sprache und kulturellen Codes - vermittelt etwa durch Flaggen - kennen.

Dimitry Starusev: „Marina“ (2017)

Dimitry Starusev

Dimitri Starusew: „Marina“ (2017). Starusew verfremdet alte Fotografien und fügt eine poetische, fast schon transzendentale Ebene ein zwischen Bild und Betrachter, wodurch er die Distanz vom „Heute“ zum „Damals“ verkürzt.

Anya Zholud: "Landscape" (2013)

ORF.at/Simon Hadler

Anja Scholud: „Landscape“ (2013). Die Künstlerin ist fest in einem Dorf verankert, hat dort sogar ihr eigenes Museum gegründet, in dem sie eigene und die Werke von Freunden zeigt. Hier der Grundriss ihres Dorfes - als künstlerisches Statement, das die Peripherie feiert und gleichzeitig die Landflucht thematisiert.

Kathrin Böhm, Wapke Feenstra und Antje Schiffers: "Mezhdunarodniy Selskiy Magazin - International Village Shop"

Kathrin Böhm, Wapke Feenstra und Antje Schiffers

Kathrin Böhm, Wapke Feenstra und Antje Schiffers: „Mezhdunarodniy Selskiy Magazin - International Village Shop“. Ein Pop-up-Shop, der von Ausstellung zu Ausstellung zieht - aber nur bei solchen Ausstellungen auftaucht, die an der Peripherie der „zivilisierten“ Welt gezeigt werden. Von jedem Ausstellungsort werden traditionelle Produkte in den Verkaufskatalog aufgenommen, die gemeinsam mit den Künstlerinnen gestaltet werden - so auch in Sibirien.

Timofei Dubrovskikh: „Video tour to the Uchma Museum“

Timofei Dubrovskikh

Timofei Dubrowskich: „Video tour to the Uchma Museum“. Eine Videotour durch das Heimatmuseum des Dorfes Utschma.

Victor Sachivko: Ploughman (2017)

Victor Sachivko

Viktor Satschiwko: „Ploughman“ (2017). Aus einer Serie von acht Bildern mit Titeln wie „Das Kapital“, „Roter Platz“ und hier „Der Pflüger“ - bis hin zu einem Gemälde, das das „Punk-Gebet“ von Pussy Riot zeigt. Hier zu sehen ein Spiel mit totalitärer Bildsprache: Der Kolchosenbauer als pflügender Held der Arbeit.