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Ende des Machtrausches

In den letzten 37 Jahren hat Robert Mugabe die Geschichte Simbabwes geprägt. Als Premierminister verhalf er nach der Unabhängigkeit 1980 dem Land zum Aufschwung, als Präsident herrschte er dann mit harter Hand und führte das Land in den Niedergang.

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In den vergangenen Tagen überstürzten sich dann die Ereignisse: Nachdem Mugabe seinen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa entlassen hatte, um seine Frau Grace zu seiner designierten Nachfolgerin zu machen, stellte das Militär den Präsidenten unter Hausarrest. Die Regierungspartei ZANU-PF setzte den greisen Mugabe als ihren Parteichef ab und setzte ihm eine Frist bis Montag, um freiwillig als Präsident zurückzutreten. Er ließ diese Frist verstreichen. Am Dienstag reichte er seinen Rücktritt ein.

Mugabe am World Economic Forum

Reuters/Rogan Ward

Der Präsident heuer im Mai beim World Economic Forum in Durban, Südafrika

Geboren wurde Mugabe am 21. Februar 1924 in einer Missionsstation im Nordwesten des Landes. Seine erste Begegnung mit den Befreiungsideen machte der aus armen Verhältnissen stammende Jesuitenschüler in Südafrika, wo er vielen späteren afrikanischen Führungsfiguren begegnete.

Wachstumskurs versandete

Später zog Mugabe nach Nordrhodesien, dem heutigen Sambia, und nach Ghana, wo er als Lehrer arbeitete, bevor er 1960 in sein Heimatland - damals noch Südrhodesien - zurückkehrte. Als Aktivist verbrachte er insgesamt zehn Jahre in Haft. Mugabe schloss mehrere Studien ab, teilweise auch während seiner Gefangenschaft.

Nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien gewann Mugabes Partei ZANU (später: ZANU-PF) 1980 überraschend die Parlamentswahl, er wurde Premierminister. Mugabe verkündete einen Versöhnungskurs für Schwarz und Weiß und führte das Land auf einen wirtschaftlichen Wachstumskurs. Selbst seine Gegner zollten Anerkennung für Reformen im Gesundheits- und Bildungssektor, die auf dem Kontinent als beispielhaft galten.

Robert Mugabe und Diana

Reuters/Howard Burditt

In seinen ersten Jahren wurde Mugabe vom Westen als Reformer gefeiert - hier mit Lady Di

1987 wurde das Amt des Premierministers abgeschafft, Mugabe wurde Präsident. Im Kampf gegen die Konkurrenzpartei ZAPU kam es zu ersten Repressionen. Zu Beginn der 1990er Jahre begann der wirtschaftliche Abstieg. Auch auf Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank begann man mit einem Sparprogramm, Korruption und Vetternwirtschaft nahmen langsam Überhand. Die Abwärtsspirale endete in einer Hyperinflation, das Land stand am Rande des Abgrunds.

Land im Chaos

Parallel dazu regierte der 1990 und 1996 wiedergewählte Mugabe immer autoritärer, die Grenze zum Despoten überschritt er spätestens 2000: Damals lehnte die Bevölkerung in einem Referendum eine neue Verfassung ab, mit der Mugabe seine Machtstellung zementieren wollte. Es folgte breite Repression. Mit den Enteignungen der Weißen suchte Mugabe neue Unterstützung unter seinen Landsleuten. Spätestens dieser politische Schachzug stürzte das Land völlig ins politische und wirtschaftliche Chaos.

Robert Mugabe bei den Unabhängigkeitsfeiern von Simbabwe

AP

Mugabe bei den Unabhängigkeitsfeiern 2012

2008 schienen Mugabes Tage als Präsident gezählt: Im ersten Wahlgang unterlag er Oppositionsführer Morgan Tsvangirai. Doch nach blutigen Repressionen zog sich die Opposition kurz vor dem zweiten Wahldurchgang zurück. Die Nachbarländer verhinderten das Schlimmste, Mugabe mussten den Erzfeind Tsvangirai für einige Jahre zum Premier machen, eher das Amt wieder abgeschafft wurde. Der Oppositionsführer unterlag bei der Präsidentschaftswahl Mugabe, wie schon bei den Wahlen zuvor war von Fälschung und Einschüchterung der Wähler die Rede.

Luxus neben Hungersnot

Mugabes Politik war seit Jahren von reinem Machterhalt und Repressionen geprägt. Für besondere Empörung sorgten jedes Jahr die ausufernden Geburtstagsfeste mit Luxus und Völlerei, während die Bevölkerung unter Hunger litt. Allein heuer soll das Fest umgerechnet 1,9 Millionen Euro gekostet haben, unter anderem wurde eine Torte in Form von Mugabes Mercedes-Limousine serviert.

Robert Mugabe in Genf 1976

APA/AFP

Mugabe 1976 in Genf

Bei diesem Anlass hatte er noch angekündigt, 2018 erneut bei den Präsidentenwahlen antreten zu wollen. Daraus wird nun nichts.

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