Ex-Regierungschef Hariri in Libanon zurückgekehrt

Erstmals seit seiner Rücktrittserklärung vor mehr als zwei Wochen ist der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri in sein Heimatland zurückgekehrt. Hariri landete gestern Abend mit einer Maschine aus Kairo auf dem Flughafen in Beirut.

Im Libanon nahm er erstmals an einem offiziellen Termin in der Öffentlichkeit teil. Der 47-Jährige gehörte in der Hauptstadt Beirut zu den Gästen einer Militärparade zum Unabhängigkeitstag des Landes.

Libanons Ex-Regierungschef Saad Hariri am Flughafen von Beirut

Reuters/Mohamed Azakir

Auf seinem Weg von Kairo nach Beirut hatte Hariri noch einen kurzen Zwischenstopp auf Zypern eingelegt. Wie der zypriotische Regierungssprecher Nikos Christodoulides im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, habe sich Hariri mit dem zypriotischen Präsidenten Nikos Anastasiades getroffen. In Kairo war Hariri zu einem Gespräch mit dem ägyptischen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi zusammengetroffen. Dabei wurden die jüngsten Entwicklungen im Libanon erörtert.

Überraschend Rücktritt verkündet

Hariri hatte Anfang des Monats von Saudi-Arabien aus überraschend seinen Rücktritt erklärt. Danach kamen Befürchtungen auf, im Libanon könne ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen den beiden rivalisierenden Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran entstehen. Das sunnitische Saudi-Arabien ist ein enger Verbündeter Hariris, der schiitische Iran unterstützt die mächtige libanesische Schiitenmiliz Hisbollah.

Nahrung erhielten die Befürchtungen, weil Hariri bisher nicht in den Libanon zurückgekehrt war. Arabische Medien verbreiteten zugleich Gerüchte, Riad habe den 47-Jährigen unter Hausarrest gestellt. Saudi-Arabien wies den Vorwurf zurück. Am vergangenen Wochenende reiste Hariri dann nach Frankreich, wo er den französischen Präsidenten Emmanuel Macron traf. Von Paris aus flog Hariri nach Kairo.

Bei seiner Rücktrittserklärung hatte Hariri einen angeblichen Mordkomplott der Hisbollah angedeutet. Die Miliz und den Iran beschuldigte er, in der Region Unruhe zu stiften. Libanons Präsident Michael Aoun hat den Rücktritt bisher nicht angenommen.