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Weitere Opfer aus Tiroler Skihauptschule

Noch wird es wohl eine ganze Weile dauern, bis im Österreichischen Skiverband (ÖSV) wieder zur Tagesordnung übergegangen werden kann. So sehr man sich im ÖSV wünscht, dass die Missbrauchsvorwürfe der ehemaligen Skirennläuferin Nicola Werdenigg möglichst schnell widerlegt werden: Eingerichtete Hotlines, Fernsehinterviews und Diskussionssendungen sorgen weiter für Zündstoff in der Causa.

Bei der eigens eingerichteten Erstanlaufstelle des Landes Tirol gingen bis Dienstagmittag drei Meldungen ein. Alle Anschuldigungen lägen 20 bis 45 Jahre zurück, teilte das Land mit. Man könne darauf schließen, „dass die Missbrauchsvorwürfe in der ehemaligen Skihauptschule Neustift und besagte Aufnahmerituale im Skigymnasium Stams zutreffen könnten“, erklärten die Bildungslandesrätin und Amtsführende Landesschulratspräsidentin Beate Palfrader (ÖVP) und Soziallandesrätin Christine Baur (Grüne) unisono.

Etwaige dienstrechtliche und disziplinarrechtliche Verfehlungen würden geprüft und strafrechtliche Verdachtsfälle ebenfalls an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, hieß es weiter. Den Betroffenen, die teilweise anonym bleiben wollten, gehe es vor allem darum, dass Derartiges in Zukunft nicht mehr passieren dürfe - mehr dazu in tirol.ORF.at.

ÖSV will sich Beispiel an katholischer Kirche nehmen

Der ÖSV, seit den ersten Interviews Werdeniggs vergangene Woche mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs und von Übergriffen konfrontiert, will sich nun offenbar ein Beispiel an der katholischen Kirche nehmen. Diese hatte nach dem Bekanntwerden des massenhaften Missbrauchs und der Gewaltanwendung in katholischen Internaten vor sieben Jahren eine eigene Kommission unter Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) eingerichtet.

Sie dient - bis heute - als Anlaufstelle für alle Betroffenen. Das trug wesentlich dazu bei, um die Empörung über den Umgang der Kirche mit dem Thema zu beruhigen - auch wenn es, vor allem in der Behandlung von Einzelfällen, etwa bei Verweigerung von Hilfe und Entschädigungszahlungen, immer wieder auch harsche Kritik gab. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sagte, man könne sich an Klasnic wenden.

Schröcksnadel betonte Montagabend in der ZIB2, er habe mit Klasnic gesprochen und vereinbart, dass sich Betroffene ab sofort an sie wenden könnten, um dort ihre Erfahrungen schildern und Beschwerden vorbringen zu können. Offen ließ Schröcksnadel, ob der ÖSV - so wie die Kirche - gegebenenfalls einen Fonds einrichten würde, um etwa die Kosten für Psychotherapien zu übernehmen oder Entschädigungen auszuzahlen.

Per E-Mail oder per Telefon

Von der Opferschutzanwaltschaft hieß es am Dienstag, Betroffene könnten Klasnic direkt kontaktieren - via Mail unter waltraud.klasnic@opfer-schutz.at oder unter der Telefonnummer 0664/3835260. Sie biete sich als Ansprechpartnerin und Zuhörerin an, wie sie am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal-Interview bestätigte. Schröcksnadel habe ihr Unabhängigkeit zugesichert, „und die Vertraulichkeit kann ich zusichern“, so Klasnic - Audio dazu in oe1.ORF.at.

Ein Angebot an die Missbrauchsbetroffenen im ÖSV bietet auch die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt, wie die Organisation in einer Aussendung am Dienstag bekanntgab. Die Organisation, die der Klasnic-Kommission seit Jahren Vertuschung vorwirft, hat ebenfalls eine Opferhotline (0660/5665158) sowie eine E-Mail-Adresse (info@betroffen.at) eingerichtet.

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