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„Systematische Tötungen“ im Juli 1995

Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien hat bei der Verkündung des Urteils gegen den Ex-Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, am vergangenen Mittwoch festgestellt, dass in der damaligen muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 Völkermord, Vertreibungen, Tötungen und unmenschliche Zwangsumsiedlungen durchgeführt worden seien.

Nach der Einnahme der muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica seien zwischen 12. und 17. Juli 1995 in der Umgebung der ostbosnischen Kleinstadt „systematisch“ mehrere tausend muslimische Männer ermordet worden, stellte das Haager Gericht ferner fest. Das jüngste Todesopfer war erst 13 Jahre alt, das älteste 94.

Zwischen 20.000 und 30.000 muslimische Frauen, Kinder und alte Menschen seien gleichzeitig auf das Gebiet unter dem Kommando der bosniakischen (muslimischen) Armee transportiert worden. Ziel war es, die muslimische Enklave „serbisch“ zu machen. Srebrenica sei ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit gewesen, hatte das Tribunal in seinem im April 2004 verkündeten rechtskräftigen Urteil über den bosnisch-serbischen Offizier Radislav Krstic festgestellt.

Bosnische Klage gegen Serbien

Dass es sich bei den Ereignissen bei Srebrenica um einen Genozid handelte, stellte wenige Jahre später auch der Internationale Gerichtshof (IGH) in seinem Urteil auf Basis einer bosnischen Klage gegen Serbien fest. Belgrad selbst wurde allerdings nicht des Völkermordes für schuldig befunden. Das Europaparlament erklärte 2009 den 11. Juli zum Gedenktag für die Opfer von Srebrenica.

Niederländische UN-Soldaten nahe Srebrenica 1995

AP

Niederländische UNO-Soldaten stehen am 11. Juli 1995 Hunderten Zivilisten gegenüber, die aus Srebrenica geflohen sind

Was sich im Juli 1995 in der Umgebung der damaligen UNO-Schutzzone und im heutigen Bosnien-Herzegowina abspielte, scheint ein schrecklicher Racheakt der bosnischen Serben gewesen zu sein. Das Gebiet um Srebrenica war gleich nach dem Ausbruch des Krieges im Frühjahr 1992 intensiv umkämpft. Dort stationierte bosniakische Kämpfer griffen wiederholt serbische Dörfer in der Umgebung an. Serbische Quellen registrierten Angriffe auf 79 Dörfer und Siedlungen.

Zur UNO-Schutzzone erklärt

Tausende Einwohner wurden in die Flucht getrieben, mehrere hundert Zivilisten - ihre Zahl liegt laut dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) bei mindestens 1.000 - wurden ermordet. Am 7. Jänner 1993, dem serbisch-orthodoxen Weihnachtstag, wurden etwa 46 Einwohner des Dorfes Kravice von bosniakischen Kämpfern massakriert. Diese Ermordungen werden als besonders schlimm eingestuft.

Danach änderte sich die militärische Situation um Srebrenica. Die Kleinstadt wurde im April 1993 zur UNO-Schutzzone erklärt. Vor dem Kriegsende war die Stadt mit etwa 42.000 Einwohnern, ein Großteil von ihnen bosniakische Flüchtlinge aus der Umgebung, von etwa 15.000 serbischen Soldaten umzingelt. In der Stadt selbst dürften sich vor der Einnahme durch bosnisch-serbische Truppen etwa ebenso viele Männer im kampffähigen Alter befunden haben. Viele von ihnen, darunter der Kriegskommandant Naser Oric, zogen kurz vor der Einnahme der Stadt Richtung Tuzla ab.

Blauhelme leisteten keinen Widerstand

Als der entscheidende bosnisch-serbische Angriff auf Srebrenica startete, leisteten etwa 300 niederländische Blauhelme keinen Widerstand. Ihr Befehlshaber Thomas Karremans hatte zwar die NATO um Unterstützung aus der Luft ersucht. Ein Angriff von NATO-Flugzeugen auf die bosnisch-serbischen Stellungen über der in einem engen Tal zwischen den Bergen liegenden Kleinstadt wurde wegen schlechter Witterungsverhältnisse aber bald eingestellt. Zudem hatten bosnisch-serbische Truppen mit Morden an gefangen genommenen niederländischen UNO-Soldaten gedroht.

Karte zeigt das Massaker von Srebrenica

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Die Einnahme von Srebrenica wurde lange im Voraus vorbereitet. In einer Anordnung des damaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic vom März 1995 hieß es unter anderem: „Durch alltägliche geplante und überlegte Kampfaktionen gilt es, eine Atmosphäre der totalen Unsicherheit, der Unerträglichkeit und Aussichtslosigkeit auf eine weitere Existenz und Leben in Srebrenica zu schaffen.“

Die bosnisch-serbischen Truppen trennten die bosniakischen Männer vom Rest der Bevölkerung. Ermordet wurden sie hauptsächlich durch Massenexekutionen. Die Leichen der Opfer wurden nach dem Kriegsende in etwa zwei Dutzend Massengräbern entdeckt. Viele davon waren sekundäre Massengräber, in die die Leichen aus primären Gräbern versetzt wurden, um die Spuren des Verbrechens zu vertuschen. Noch im Dezember 2015 wurde ein Massengrab entdeckt - verborgen unter einer Mülldeponie.

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