Humanitäre Hilfe in Jemens Hauptstadt zusammengebrochen

Nach der Eskalation der Gewalt im Jemen ist die humanitäre Hilfe in der Hauptstadt Sanaa fast völlig zusammengebrochen. Wegen der Sicherheitslage hätten alle Leistungen vorerst eingestellt werden müssen, teilten mehrere internationale Hilfsorganisationen heute mit.

Der eskalierende Konflikt verschärfe die bereits katastrophale humanitäre Situation, warnten CARE, Oxfam, Save the Children und andere Organisationen. Sie forderten eine sofortige Waffenruhe in Sanaa.

Rotes Kreuz: Mehr als 200 Tote bei Kämpfen in Sanaa

Seit dem Ausbruch der neuen Kämpfe vor rund einer Woche kamen in Sanaa nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) 234 Menschen ums Leben. Rund 400 Menschen seien dort in diesem Zeitraum verletzt worden, sagte IKRK-Sprecherin Iolanda Jaquemet.

MSF: Enorme Versorgungsengpässe

Wie der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Jemen, Djoen Besselink, der APA telefonisch aus Sanaa berichtete, gebe es Versorgungsengpässe bei medizinischen Gütern, und Patienten könnten oft nicht in Spitäler gebracht werden. Seine Organisation versuche, mit den verschiedenen Bürgerkriegsparteien Vereinbarungen zu treffen, damit Spitäler von Kampfhandlungen verschont blieben.

Man verhandle dazu mit Huthis, Stammesführern und Ministern der Exilregierung. Leider würden diese Abmachungen oft nicht respektiert. Auch die Sicherheit der etwa 2.000 jemenitischen MSF-Mitarbeiter sei ständig bedroht

Ex-Präsident Saleh getötet

In dem Land war in der vergangenen Woche das Bündnis zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und den Anhängern des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh zerbrochen. In Sanaa brachen heftige Kämpfe zwischen beiden Seiten aus. Kampfflugzeuge der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bombardierten Huthi-Stellungen. Bei den Kämpfen töteten die Rebellen gestern auch Ex-Präsident Saleh.

Nach rund drei Jahren Bürgerkrieg erlebt der Jemen derzeit eine der weltweit schlimmsten humanitären Krisen. Von den 27 Millionen Einwohnern des Landes sind nach UNO-Angaben rund zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Wegen einer Blockade der saudi-arabischen Koalition kommen aber zu wenige Güter ins Land. Die UNO warnt, wegen der Blockade drohe dem Land eine Hungerkatastrophe.