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Schaden an Blut-Hirn-Schranke möglich

Luftverschmutzung bedroht massiv die Entwicklung des Babygehirns. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF leiden weltweit rund 17 Millionen Babys unter einem Jahr unter extrem schmutziger Luft.

Während Atemwegsprobleme und chronische Lungenkrankheiten schon länger mit Feinstaubbelastung in Zusammenhang gebracht werden, weisen laut UNICEF immer mehr wissenschaftliche Studien auch auf „mögliche neue Risiken“ für die frühkindliche Entwicklung des Gehirns hin.

Smog über einer chinesischen Stadt

AP/Zhang shu/Imaginechina

Smog über der chinesischen Millionenstadt Harbin

Feinstaubpartikel können Schäden an der Blut-Hirn-Schranke von Babys verursachen. Diese Barriere verhindert den unkontrollierten Eintritt von Blutbestandteilen oder Substanzen im Blut ins Gehirn. Schäden an der Blut-Hirn-Schranke werden mit Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson im Alter in Verbindung gebracht.

Intelligenz und Gedächtnis betroffen

Es gebe zunehmend Hinweise, dass Luftverschmutzung „den verbalen und nonverbalen Intelligenzquotienten und das Gedächtnis“ bei Kindern beeinträchtige sowie zu „neurologischen Verhaltensstörungen“ führe, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Danger in the Air“ (Gefahr in der Luft).

Kühe auf einer Straße in New Delhi (Indien)

AP/R S Iyer

Luftverschmutzung im Großraum rund um die indische Metropole Delhi

Angesichts der weltweit beschleunigten Urbanisierung ohne angemessenen Schutz vor Umweltbelastungen seien „immer mehr Kinder in den kommenden Jahren gefährdet“. Giftstoffe in der Luft „beeinflussen das Lernverhalten von Kindern und ihre Sprach- und Motorikfähigkeiten“, sagte Studienautor Nicholas Rees.

Problemzone Asien

Dem Bericht zufolge leben mehr als 16 Millionen der in stark luftverschmutzen Regionen lebenden 17 Millionen unter Einjährigen in Asien. Diese Babys lebten in Regionen, in denen die Luftverschmutzung mindestens sechsmal höher sei als international festgelegte Standards, hieß es weiter in dem Bericht. Mehr als drei Viertel dieser Babys, rund 12,2 Millionen, leben dem Bericht zufolge in Südasien, 4,3 Millionen in Ostasien und der Pazifikregion.

Indien vor China

In Indien ist die Lage laut dem Bericht am schlimmsten, gefolgt von China. Wegen Dauersmogs mussten im November in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi die Schulen geschlossen werden. Trotz weiterhin stark überhöhter Feinstaubwerte hatten die Schulen kurze Zeit später wieder geöffnet, was für scharfe Kritik sorgte.

„Diese Schmutzstoffe gefährden nicht nur die Entwicklung der Lungen der Babys, sie können auch ihren Gehirnen langfristigen Schaden zufügen - und damit ihrer Zukunft“, sagte UNICEF-Direktor Anthony Lake. Er rief die betroffenen Länder auf, mit mehr Engagement gegen Luftverschmutzung vorzugehen. „Kein Kind sollte gefährlich verschmutzte Luft atmen - und keine Gesellschaft kann es sich leisten, Luftverschmutzung zu ignorieren.“

Reduzierung von Blei in Brennstoffen diskutiert

Unterdessen tagte der UNO-Umweltgipfel in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Auch hier stand Umweltverschmutzung in Mittelpunkt: Neben der Luftverschmutzung und der Reduzierung von Blei etwa in Brennstoffen und Batterien stand vor allem der Plastikmüll im Vordergrund. Umweltverschmutzung ist der UNO zufolge für den Tod von jährlich ungefähr 12,6 Millionen Menschen verantwortlich.

Die Delegierten, mehr als 100 Umweltminister sowie einige Staats- und Regierungschefs, Aktivisten, Wissenschaftler und Vertreter des Privatsektors, versprachen stärkere Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung. Man werde Verschmutzung gezielt etwa durch Umweltvereinbarung bekämpfen sowie die Einführung von Strategien zum besseren Umgang mit Chemikalien und Abfall fördern, hieß es in einer Erklärung der Versammlung, die am Mittwoch, dem letzten Tag des UNO-Umweltgipfels, angenommen wurde.

Mikroplastik selbst im Trinkwasser

Allerdings würden die Erklärung und Resolutionen des Gipfels wenige konkrete Handlungen beinhalten, kritisierte Qian Cheng von Greenpeace. Die Verschmutzung der Meere durch Plastik war bei dem Gipfel ein großes Thema. Jährlich landen der UNO zufolge rund acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Meerestiere verheddern sich darin oder verschlucken den Müll.

Zudem zerfällt das Material und bildet Mikroplastik - kleine Kunststoffteilchen, die sich später auch in Trinkwasser und Nahrungsmitteln wiederfinden. Eine der Resolutionen des Gipfels spreche die Meeresverschmutzung und Mikroplastik zwar an, erklärte Cheng. Allerdings beinhalte sie eher Pläne für die weitere Bearbeitung des Problems - etwa die Erstellung einer Expertengruppe und den Auftrag an das UNO-Umweltprogramm, weitere Forschung in dem Bereich zu betreiben.

„Jetzt liegt es an den Regierungen“

Die weltweite Plastikproduktion müsse dringend reduziert werden, sagte der Leiter des UNO-Umweltprogramms, Erik Solheim. Es werde zu viel nutzloser Kunststoff produziert, etwa Strohhalme und Verpackungen in Supermärkten. Es müssten verstärkt Alternativen genutzt und Recycling ausgebaut werden, forderte er. Rund 40 Länder haben bereits eine Beschränkung oder ein Verbot von Plastiksackerln eingeführt, jüngst hat Kenia die Sackerln verboten.

Der Gipfel habe mehr Aufmerksamkeit für das Problem der Umweltverschmutzung erzeugt, sagte Cheng. Aber: „Jetzt liegt es an den Regierungen, die Resolutionen in Handlungen zu übersetzten“, forderte sie. Am Mittwoch nahmen die Delegierten 13 nicht bindende Resolutionen an. Alle 193 UNO-Mitgliedsstaaten sind auch Mitglieder der UNO-Umweltversammlung.

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