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„Angemessene Ermittlungen“ gefordert

Die Vorwürfe sexueller Belästigung gegen US-Präsident Donald Trump sorgen in den USA weiterhin für Aufruhr. Nicht nur direkte Anschuldigen, sondern auch Trumps Unterstützung für den des Missbrauch bezichtigten US-Republikaners Roy Moore heizen die Debatte an.

Insgesamt warfen seit den 1980er Jahren 15 Frauen Trump sexuelle Belästigung vor. Drei von ihnen haben am Montag bei einer Pressekonferenz bereits im Wahlkampf getätigte Vorwürfe wiederholt und eine Untersuchung durch den Kongress gefordert. Die Parlamentarier müssten „ihre Parteizugehörigkeiten zurückstellen“ und Trumps Vorgeschichte sexuellen Fehlverhaltens untersuchen, sagte eine der Frauen, Rachel Crooks. Sie selbst sei von Trump 2005 gegen ihren Willen geküsst worden.

Rachel Crooks, Jessica Leeds und Samantha Holvey

APA/Getty Images North America/AFP/Monica Schipper

Im Gegensatz zu anderen Männern werde der Präsident „nicht zur Rechenschaft gezogen“, so der Vorwurf der Frauen

Bei den beiden anderen Frauen handelte es sich um Jessica Leeds und Samantha Holvey. Leeds wurde nach ihren Angaben von Trump während eines Fluges in den 1980ern begrapscht, als sie zufällig neben ihm saß. Holvey war einst Kandidaten beim Schönheitswettbewerb „Miss USA“, als dieser von Trumps Firmenimperium ausgerichtet wurde. Laut ihrer Schilderung kam der Unternehmer damals ohne Ankündigung in die Umkleideräume, als die Frauen mitten dabei waren, sich umzuziehen. Trump habe jede Teilnehmerin einzeln inspiziert. Sie habe sich gefühlt „wie ein Stück Fleisch“.

Trump sieht Demokraten-Komplott

Der US-Präsident hat diese und weitere Vorwürfe wiederholt bestritten und Klagen angekündigt, diese Drohung aber nie in die Tat umgesetzt. Am Dienstag ritt er auf Twitter gegen die jüngsten Vorwürfe aus und bezeichnete sie als „falsche Anschuldigungen und erfundene Geschichten“.

Diese seien entstanden, nachdem es den Demokraten nicht gelungen sei, ihm oder seinem Team eine illegale Verbindung nach Russland nachzuweisen. Er kenne die Frauen, die diese Anschuldigungen vorbringen, nicht „und/oder habe sie nie getroffen“. Es handle sich um „Fake News“. Bereits zuvor hatte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders gesagt, dass Trump von den US-Amerikanern gewählt und die Vorwürfe damit ad acta gelegt seien.

„Klima ist ein anderes“

Inmitten des schmutzigen und skandalträchtigen Wahlkampfes hatten die Anschuldigungen verhältnismäßig wenig Beachtung erlangt. Doch die Frauen hoffen angesichts der Weinstein-Affäre, der „#MeToo“-Bewegung und Rücktritten zahlreicher Prominenter Künstler, Medienmacher und Kulturschaffender auf mehr Bewusstsein. Man wolle nun in „Runde zwei“ gehen, sagte Holvey in NBC: „Das Klima ist mittlerweile ein anderes, lasst es uns noch einmal versuchen.“

Unerwartete und viel diskutierte Schützenhilfe bekamen die Frauen von der republikanischen UNO-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Nikki Haley. Sie erklärte in einem Interview mit dem TV-Sender CBS, dass die Frauen, die Trump der sexuellen Belästigung beschuldigen, ein Recht hätten, angehört zu werden. Sie „glaube, dass jede Frau, die sich auf irgendeine Weise verletzt oder misshandelt gefühlt hat, jedes Recht hat, sich zu äußern“.

Demokraten fordern Rücktritt

Unter den Demokraten fordert unterdessen eine wachsende Anzahl an Politikern Trumps Rücktritt. Unter ihnen befindet sich mittlerweile auch die New Yorker Senatorin Kirsten E. Gillibrand, die sich wiederholt für Opfer sexueller Belästigung eingesetzt hat. Die Vorwürfe gegen Trump seien „glaubwürdig“ und „zahlreich“. „Ich habe die Aussagen dieser Frauen gehört. Viele von ihnen sind herzzerreißend“, so Gillibrand. Wenn Trump nicht sofort zurücktrete, müsse der Kongress „angemessene Ermittlungen über sein Benehmen einleiten und ihn dafür verantwortlich machen“.

Zuletzt hatten nicht nur Vorwürfe gegen Trump selbst, sondern auch dessen Unterstützung für den Republikaner Moore für Aufruhr gesorgt. Anfang November hatte die „Washington Post“ Vorwürfe sexueller Übergriffe mehrerer Frauen gegen den Kandidaten in der Senatswahl in Alabama veröffentlicht - die Jüngste soll zum Zeitpunkt der Taten 14 Jahre alt gewesen sein. Moore wies die Vorwürfe zurück. Sie seien ein Versuch, ihn „mundtot“ zu machen. Zahlreiche Republikaner wandten sich von Moore ab, doch Trump sprach ihm seine Unterstützung aus.

Erinnerung an „Grab them by the pussy“

Auch abseits der Vorwürfe war Trump im Wahlkampf immer wieder mit sexistischen und misogynen Rundumschlägen aufgefallen. Als aussagekräftig erwies sich vor allem ein geleaktes Video aus dem Jahr 2005, in dem Trump vor einer TV-Aufzeichnung damit prahlt, Frauen nach Belieben in den Schritt zu greifen („grab them by the pussy“) und sie ohne Zustimmung zu küssen.

Trump hatte sich entschuldigt und das Gespräch als „Umkleideraum-Gespräch unter Männern“ bezeichnet („locker room banter“). Trotz weitreichender Empörung, auch in republikanischen Kreisen, konnte das Video seiner Kampagne nicht ernstlich schaden.

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