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Knapp 20.000 Stimmen Vorsprung

Der Demokrat Doug Jones hat überraschend die Nachwahl für einen Senatssitz im seit Jahrzehnten von Republikanern beherrschten US-Staat Alabama gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam der Menschenrechtsanwalt Jones auf 49,9 Prozent der Stimmen, sein Gegner, der Republikaner Roy Moore, erhielt 48,4 Prozent - der Abstand betrug rund 20.000 Stimmen.

Die Niederlage Moores ist gut ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl eine schallende Ohrfeige für US-Präsident Donald Trump. Dieser gratulierte noch in der Nacht: „Glückwunsch an Doug Jones zu diesem hart umkämpften Sieg“, schrieb er auf Twitter. Dass Wähler eigene Kandidaten auf den Stimmzettel schreiben konnten, habe eine große Rolle gespielt. „Aber ein Sieg ist ein Sieg“, so Trump. „Die Republikaner werden sehr bald wieder eine Chance auf diesen Sitz haben.“


Der republikanische Kandidat Roy Moore und seine Frau Kayla Moore reiten auf dem Pferd zur Wahl

APA/AP/The Montgomery Advertiser/Albert Cesare

Der Republikaner Roy Moore kam zu Pferd in sein Wahllokal

Trump hatte in den Wahlen Jones’ Kontrahenten Roy Moore unterstützt - auch nachdem mehrere Frauen ihm öffentlich vorgeworfen hatten, Moore habe sie missbraucht, als sie Teenager waren.

Moore spekuliert mit Neuauszählung

Moore sah sich am Dienstagabend zunächst nicht als Wahlverlierer: „Wenn das Ergebnis so knapp ist, ist die Wahl nicht vorbei“, sagte er vor Anhängern in Montgomery. Er verwies auf ausstehende Stimmen von Soldaten. Bei weniger als 0,5 Prozentpunkten Abstand müsse es eine Neuauszählung geben. „Wir müssen auf ein Zeichen Gottes warten“, sagte er.

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„Ich bin überwältigt“

Unter großem Jubel bedankte sich Jones bei seinen Wählern. Er sei „wirklich, wirklich überwältigt“, so der frisch gewählte Senator.

Jones zeigte sich „überwältigt“ von dem Wahlergebnis. Bei der Wahl sei es vor allem „um Würde und Respekt“ gegangen, sagte der 63-Jährige nach seinem Sieg vor Anhängern in der Stadt Birmingham. „Alabama lag an einer Weggabelung. Heute Abend habt Ihr den richtigen Weg gewählt.“

Demokraten feiern Sieg „für die Hoffnung“

Auch andere Politiker der Demokratischen Partei feierten den Sieg in dem sehr konservativen Südstaat. „Das Land wird nicht vergessen, dass Alabama für die Hoffnung gestimmt hat und dass sich Trump auf die Seite eines mutmaßlichen Kinderschänders gestellt hat, der Amerika zurückwerfen wollte“, sagte der Senator Chris van Hollen. Der Parteivorsitzende der Demokraten, Tom Perez, sagte, man könne nicht die Partei der familiären Werte sein und gleichzeitig „widerliche Männer“ wie Moore unterstützen.

Die Nachwahl in Alabama war durch den Wechsel des früheren Senators Jeff Sessions an die Spitze des Justizministeriums notwendig geworden. Eigentlich ist der Staat mit seinen rund 4,8 Millionen Einwohnern ein traditionell sicheres Rennen für die Republikaner - in Alabama wurde seit 1992 kein Demokrat mehr zum Senator gewählt. Bei der Präsidentenwahl 2016 hatte Trump im Rennen mit seiner Rivalin Hillary Clinton einen Vorsprung von fast 28 Prozentpunkten. Durch den Sieg des Demokraten verringert sich Trumps Handlungsspielraum im Kongress: Die Mehrheit der Republikaner im Senat schrumpft auf 51 von 100 Sitzen.

Doug Jones mit seiner Frau Louise im Confetti-Regen

APA/AP/John Bazemore

Jones, der mit nur wenigen tausend Stimmen Vorsprung in den Senat ziehen wird, zeigte sich „überwältigt“

Mehrere Anschuldigungen wegen Übergriffen

Der 70-jährige Moore wird von mehreren Frauen beschuldigt, er habe ihnen vor rund vier Jahrzehnten nachgestellt oder sie sexuell belästigt, als sie noch Teenager waren. Der damalige Staatsanwalt soll damals unter anderem gegen eine 14-Jährige übergriffig geworden sein. Moore wies alle Vorwürfe zurück.

Moore positionierte sich gegenüber den Wählern in Alabama auch als Gegenkraft zum republikanischen Parteiestablishment. Unter erzkonservativen Wählern profitierte er vom Ruf des Rebellen. Als Richter am Obersten Gerichtshof von Alabama weigerte er sich, ein Denkmal für die alttestamentarischen Zehn Gebote aus einem Justizgebäude zu entfernen. Außerdem setzte er sich über ein bahnbrechendes Urteil des Obersten Gerichtshofs in Washington zur Legalisierung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare hinweg.

Sein Rivale Jones warb um die Stimmen moderater Republikaner, die von den gegen Moore erhobenen Belästigungsvorwürfen abgestoßen waren. „Es ist an der Zeit, dass wir unseren Anstand und unseren Bundesstaat über die politische Partei stellen“, sagte der frühere Bundesanwalt bei einem Wahlkampfauftritt.

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