Polen und Großbritannien schließen Verteidigungspakt

Im Bestreben, ihre Beziehungen vor dem „Brexit“ zu vertiefen, haben Großbritannien und Polen einen neuen Verteidigungspakt geschlossen. „Unsere Verteidigungs- und Sicherheitszusammenarbeit ist bereits stark, aber mit der Unterzeichnung dieses richtungsweisenden Vertrags gehen wir noch weiter“, sagte die britische Premierministerin Theresa May gestern in Warschau.

Es sei erst der zweite derartige Vertrag mit einem Land der Europäischen Union nach Frankreich, so die britische Regierungschefin. May zufolge geht es in dem Vertrag um gemeinsame Übungen, Informationsaustausch und Kooperation im Rüstungssektor.

Gemeinsam gegen „russische Desinformation“

Die beiden Seiten wollten zudem gemeinsam „russischer Desinformation in der Region“ begegnen und dabei „neue strategische Informationsprojekte“ nutzen. London und Warschau seien „über Russlands Versuche, Information als Waffe zu benutzen, zutiefst besorgt“. May, die sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem polnischen Regierungschef Mateusz Morawiecki äußerte, kündigte auch die Gründung eines neuen britisch-polnischen Rats für Geschäftsbeziehungen an, den sie als „ersten dieser Art des Vereinigten Königreichs in Europa“ bezeichnete.

Der Rat werde noch bestehende Barrieren im beiderseitigen Handel identifizieren, um sie vor Großbritanniens Ausscheiden aus der EU zu beseitigen. May versicherte, dass die mehr als eine Million Polen in Großbritannien ein „starker Teil“ der britischen Gesellschaft seien und dableiben sollten.

Morawiecki dagegen äußerte den Wunsch nach einer Rückkehr dieser Polen in ihre Heimat. Dort sollten sie den schwächelnden Arbeitsmarkt stärken. Nach dem polnischen Beitritt zur EU im Jahr 2004 begaben sich Hunderttausende Polen auf der Suche nach einem besseren Leben nach Großbritannien.