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Boden unter der Stadt ausgehöhlt

Die indonesische Millionenmetropole Jakarta schaut in eine ungewissen Zukunft. Der durch den Klimawandel steigende Meeresspiegel ist eine Bedrohung, eine weitere ist ebenfalls menschengemacht: Die Stadt versinkt.

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Tatsächlich sinke das Niveau der Stadt auf der indonesischen Hauptinsel Java derart rasch, dass sie „unter Wasser enden“ könnte, schrieb kürzlich die „New York Times“ in einer Reportage. Ein „Tsunami menschengemachter Probleme“ sei eine akute Bedrohung für das Überleben der Stadt mit ihren knapp zehn Millionen Einwohnern.

Ansicht von Jakarta

Fotolia/Nuwan Ganganath

Teile Jakartas liegen nur noch sehr knapp über Meeresniveau

Teile der Stadt, die vor einigen Jahren noch im Trockenen gelegen waren, stünden nun unter Wasser, vor allem in Küstennähe, schilderten Bewohner der Zeitung. Das habe zwei Ursachen: Der Meeresspiegel der Java-See steige wegen des globalen Klimawandels. Auch Unwetter würden heftiger, wenngleich die Bewohner Überschwemmungen in der Regenzeit gewohnt sind.

Meeresspiegel steigt, Stadt sinkt ab

Das Problem mit dem steigenden Meeresspiegel hat Jakarta mit Millionenmetropolen in Asien wie Mumbai, Schanghai, Hongkong und anderen gemeinsam, wie es vor einiger Zeit in einer Studie des Instituts Climate Central hieß. Das Problem könne in 200 bis 2.000 Jahren akut werden, hieß es zum zeitlichen Horizont. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von zwei Grad Celsius stelle „langfristig eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche Städte und Küstenregionen“ dar, warnte das Forschungsinstitut. Die Entwicklung hänge auch von den Maßnahmen gegen den Klimawandel und deren Wirksamkeit ab.

Ein von der „New York Times“ zitierter Klimaforscher aus Jakarta, laut der US-Zeitung als Berater des Gouverneurs tätig, rechnet damit, dass der Meeresspiegel an der Küste Javas in den nächsten Jahrzehnten um bis zu 90 Zentimeter steigen wird. Das alleine „bedeutet ein potenzielles Desaster“ für die Metropole. Aber: Es habe sich herausgestellt, dass der Klimawandel nicht der einzige Grund für das Problem ist. „Das Problem, hat sich gezeigt, ist das Sinken der Stadt selbst.“

„Verschluckt von der Erde“

Faktisch sinke Jakarta schneller als jede andere Metropole auf der Welt, rascher als der Meeresspiegel steige - „so surreal schnell, dass Flüsse manchmal flussaufwärts fließen“, normale Regenfälle Stadtviertel in Sümpfe verwandelten und Gebäude langsam im Boden verschwänden, „verschluckt von der Erde“, so die „New York Times“.

Karte von Indonesien

Grafik: APA/ORF.at

Die Hauptursache des Problems seien illegale Brunnengrabungen, so die Zeitung. Diese würden grundwasserführende Schichten im Boden, auf denen die Stadt steht, „Tropfen für Tropfen austrocknen“, ähnlich wie wenn man die Luft aus einem großen Polster unter ihr lasse. Etwa 40 Prozent Jakartas lägen mittlerweile unter Meeresspiegelniveau. Einzelne Teile der Stadt nahe der Küste seien über vier Meter abgesunken.

Beton und Asphalt statt Mangrovenwäldern

Hydrologen gingen davon aus, dass nur ein Jahrzehnt lang Zeit sei, das Absinken der Stadt zu verhindern. Gelinge das nicht, drohe der nördliche Teil der Millionenmetropole überschwemmt zu werden. Mit Dämmen sei der Entwicklung kaum beizukommen. Die Brunnen, die den Untergrund aushöhlen, würden gegraben, da nicht einmal die Hälfte der Stadt über öffentliche Wasserleitungen versorgt werde. Davon abgesehen ist das Wasser verschmutzt.

Eigentlich müssten sich die wasserführenden Schichten im Erdboden - Regenfälle sind in dieser Klimazone häufig und intensiv - wieder auffüllen. Das tun sie aber laut „New York Times“ nicht, da 97 Prozent des Stadtgebiets mit Beton oder Asphalt bedeckt seien. Wo früher Mangrovenwälder den Wasserhaushalt der Stadt in der Regenzeit geregelt hätten, stünden heute Apartmenthochhäuser. Die Stadt wächst in einem enormen Tempo.

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