„Cumhuriyet“-Mitarbeiter aus Haft entlassen

Ein Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ kommt nach neun Monaten aus der Haft frei, nachdem es neue Erkenntnisse zu seinem Fall gegeben hat. Ein Istanbuler Gericht ordnete heute die Freilassung des Buchhalters Yusuf Emre Iper an, wie „Cumhuriyet“ berichtete.

Er war einer von zuletzt noch vier Mitarbeitern des Blatts, die wegen des Vorwurfs der Unterstützung einer Terrororganisation in Haft saßen. Iper wurde wie andere Mitarbeiter der Zeitung verdächtigt, zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören, die von der Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Ihm wurde vorgeworfen, den verschlüsselten Mitteilungsdienst ByLock benutzt zu haben, der nach Angaben der türkischen Ermittler von den Mitgliedern der Gülen-Bewegung zur vertraulichen Kommunikation verwendet wurde.

Zehntausende Menschen seit Putschversuch inhaftiert

Zehntausende Menschen wurden seit dem Putschversuch wegen der angeblichen Nutzung von ByLock inhaftiert. Ein Staatsanwalt in Ankara kam aber diese Woche zu dem Schluss, dass 11.500 Menschen fälschlicherweise beschuldigt worden waren, ByLock benutzt zu haben. Demnach wurden diese Smartphone-Nutzer ohne ihr Wissen über eine von einem Gülen-Anhänger entwickelte App auf einen ByLock-Server geleitet.

In den vergangenen Tagen wurden laut Medienberichten zwei Dutzend Menschen freigelassen, die wegen des Verdachts der Nutzung von ByLock inhaftiert worden waren.

Nach der Freilassung von Iper sind nur noch der „Cumhuriyet“-Chefredakteur Murat Sabuncu, der Herausgeber Akin Atalay und der Investigativjournalist Ahmet Sik in Haft. Insgesamt sind 17 Mitarbeiter der Zeitung angeklagt, die Gülen-Bewegung und andere „Terrorgruppen“ unterstützt zu haben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück und werfen der Regierung vor, ihre Zeitung zum Schweigen bringen zu wollen.