EZB: „Bitcoin-Hype“ Gefahr für Finanzstabilität

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch sieht den rasanten Kursanstieg der umstrittenen Kryptowährung Bitcoin mit Sorge und hält ihn gar für eine Gefahr für die Finanzstabilität. „Wir erleben da einen spekulativen Hype, der einem Sorge machen kann“, sagte Mersch der „Börsen-Zeitung“ (Samstag-Ausgabe).

Da jetzt auch Banken in Bitcoin investierten, müsse die Bankenaufsicht genau prüfen, wie groß die eingegangenen Risiken seien.

Am meisten treibe ihn um, wenn Finanzmarktinfrastrukturen wie Börsen in dieses Geschäft einsteigen, sagte Mersch: „Das birgt große Gefahren für die Finanzstabilität.“

Mersch: „Zocken“ nur auf eigene Gefahr

Mögliche Verluste einzelner Anleger seien dagegen kein Thema für die EZB: „Was den einzelnen Investor betrifft, steht es jedem frei zu zocken. Dann soll er aber bitte, wenn etwas schiefgelaufen ist, auch nicht zu uns kommen und sagen, wir hätten das verbieten und ihn vor sich selbst schützen müssen.“

Mersch, der im EZB-Direktorium für Bargeld und Zahlungsverkehr zuständig ist, stellte sich zudem gegen Hoffnungen, dass die 500-Euro-Banknote, die die EZB ab 2018 nicht mehr ausgeben wird, in späteren Jahren ein Comeback feiern könne. „Es besteht wenig Hoffnung, dass wir die Produktion wieder aufnehmen. Man sollte nicht versuchen, die Geschichte zurückzudrehen.“

Warnung vor ultralockerer Geldpolitik

Mersch warnte außerdem vor einem zu späten und zu langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik im Euro-Raum. Die EZB müsse zwar bei der Normalisierung der Geldpolitik schrittweise vorgehen, zugleich müsse sie aber auch sehr genau aufpassen, nicht zu zaghaft zu agieren.

Die Notenbank habe die geldpolitische Wende vor einem Jahr eingeläutet, als sie erstmals das Anleihe-Kaufprogramm reduziert hatte, so Mersch weiter.